Alle Schmetterlingsarten Bayerns erfasst

Die Zoologische Staatssammlung München beherbergt rund 25 Millionen zoologische Objekte und gehört, als Teil der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, weltweit zu den größten naturkundlichen Sammlungen.

Das seltene Federgeistchen (Pterotopteryx dodecadactyla) weist ungewöhnliche Flügel auf, die in jeweils sechs "Federn" gespalten sind.
Das seltene Federgeistchen (Pterotopteryx dodecadactyla) weist ungewöhnliche Flügel auf, die in jeweils sechs „Federn“ gespalten sind. © Peter Lichtmannecker

Diese Woche stellen der Münchner Schmetterlingsforscher Andreas Segerer und Fachamateur Alfred Haslberger der Öffentlichkeit ein Jahrhundertwerk vor: In ihrer mehr als zweijährigen Forschungsarbeit recherchierten und erstellten die beiden eine ausführlich kommentierte Checkliste sämtlicher bisher bekannter Schmetterlingsarten (Lepidoptera) des Freistaates Bayern. Der Schmetterlingskatalog basiert auf der Auswertung von beinahe 400.000 elektronischen Datensätzen sowie einer Vielzahl weiterer, noch nicht digitalisierter Literatur- und Sammlungsquellen – allesamt Daten aus über 250 Jahren der Schmetterlingsbeobachtung!

Das Werk ist das bisher umfassendste seiner Art und befindet sich taxonomisch auf dem neuesten Stand. Neuartig ist, dass die Liste erstmals sowohl die räumliche als auch die zeitliche Verbreitung der Arten in Bayern aufschlüsselt. Auch die umfangreiche Kommentierung durch die Autoren ist bislang einzigartig für Faunenlisten dieser Größenordnung. Obwohl Bayern fast 90% der deutschen Schmetterlingsfauna beheimatet, existierte bislang keine vergleichbare Checkliste dieser Komplexität.

Schmetterlinge stellen die viertgrößte Organismengruppe der Erde dar. Für Bayern wurden nun insgesamt 3.243 Schmetterlingsarten nachgewiesen. Die neue Liste kann im Vergleich zu früheren Aufstellungen sogar knapp 100 „Neuzugänge“ verzeichnen – darunter auch eine für die Wissenschaft völlig neue Art, die noch im Detail zu beschreiben ist. Im Falle von drei Arten aus der Familie der Miniersackträger (Coleophoridae) handelt es sich um den Erstnachweis für ganz Mitteleuropa.

Bei aller Freude über ihren großartigen Sammlungserfolg haben die Wissenschaftler jedoch auch allen Grund zur Sorge: Insgesamt sind die Artenzahlen für Schmetterlinge stark rückläufig. Die Checkliste bestätigt derzeit 13% Arten-Verluste für bayerische Schmetterlinge sowie eine signifikante Abnahme von Populationsstärken vieler noch vorhandener Arten – sogar auch bei „Allerweltsarten“. Verantwortlich machen die Münchner Wissenschaftler dafür die intensive Landwirtschaft durch den Einsatz von Düngern und Pestiziden sowie die zunehmende Fragmentierung und Umgestaltung bestehender Landschaftsräume. „Solange sich daran nichts ändert, wird der Verlust an der Biodiversität der Schmetterlinge zwangsläufig weitergehen“ , so Andreas Segerer.
Quelle und mehr: https://idw-online.de/de/news647551 (Dr. Eva-Maria Natzer)