Artenvielfalt: Wir sind dann mal weg

So kommentiert Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP) das Ergebnis einer von ihm veranlassten Bestandsaufnahme: ‚Der Versuch, über eine Reform der EU-Agrarpolitik den Verlust der Artenvielfalt in Deutschland und Europa wenigstens nur aufzuhalten, ist komplett gescheitert.‘

KM-HP-Erosion.jpgZur Vorstellung der 64-seitigen Studie „Wir sind dann mal weg – Die (un-)heimliche Artenerosion. Eine agroindustrielle Landwirtschaft dezimiert unsere Lebensvielfalt“, erklärt der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling: „Die von mir in Auftrag gegebene und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfasste Bestandsaufnahme belegt eindeutig: Der Versuch, über eine Reform der EU-Agrarpolitik den Verlust der Artenvielfalt in Deutschland und Europa wenigstens nur aufzuhalten, ist komplett gescheitert. Die EU-Agrarpolitik ist nur um ein Quentchen verändert worden, da unter anderem selbst in den ohnehin viel zu klein bemessenen ökologischen Vorrangflächen sogar Pestizide eingesetzt werden dürfen. So lässt sich Biodiversität nicht bewahren. Daran haben bislang weder die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt noch das „Greening“ im Zuge der neuen EU-Agrarförderung etwas ändern können. Sogar das bundeseigene Thünen-Institut, das in dem Dossier zitiert wird, reagiert unmissverständlich auf die Agrarreform: Das Greening, heißt es dort, sei bedauerlicherweise derart verwässert worden, dass von seiner Umsetzung voraussichtlich wenig Positives für die Biodiversität zu erwarten sei. Die EU-Kommission täte gut daran, mit ihrem Fitness-Check die Umsetzung der bestehenden Naturschutzprogramme zu stärken, anstatt die Richtlinien zu weich zu spülen. Denn nicht die Richtlinien sind für die verfehlten Ziele verantwortlich. Sie wirken und zeitigen dort, wo sie konsequent umgesetzt wurden, sichtbare Erfolge. Das reicht aber bei weitem nicht. Um die Trendwende im Artenrückgang bis 2020 zu erreichen, sind sowohl die EU-Kommission als auch die Mitgliedsstaaten gefordert, dem Naturschutz mehr Priorität einzuräumen.
Dazu gehört auch, in aller Deutlichkeit den Beitrag der Landwirtschaft am Verlust beziehungsweise den Erhalt der Biodiversität zu bilanzieren. Es zeigt sich ja, dass auch die letzte Agrarreform ihr Ziel verfehlt hat, Subventionen zu ökologisieren. Kein Weg führt daran vorbei, dass hier umgesteuert werden muss. Der Ökolandbau erfüllt schon heute viele dieser Ziele, nicht aber der konventionelle Landbau. Das bedeutet: Wenn das jetzige System der kaum an Umweltauflagen gekoppelten Direktzahlungen das Ziel, mehr Biodiversität zu schaffen, nicht erfüllt, dann muss das System grundsätzlich in Frage gestellt werden. Öffentliches Geld darf nur noch für öffentliche Leistungen ausgegeben werden.“   Quelle: Martin Häusling, MdEP, PM am 12. Januar 2016   Zur Studie: http://www.martin-haeusling.eu/images/Biodiversitaet_web_end.pdf