Aussehen und Duft sichern die Fortpflanzung

Weiden gehören zu den wenigen blühenden Pflanzen, die entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten haben. Dies ist ein genetischer Vorteil – aber nur dann, wenn die für die Bestäubung unentbehrlichen Bienen bei ihrer Nahrungssuche möglichst zuerst die männlichen Blüten anfliegen, bevor sie sich den weiblichen Blüten zuwenden.

Honigbiene an einem männlichen Blütenkätzchen der Sal-Weide.
Honigbiene an einem männlichen Blütenkätzchen der Sal-Weide. © Jens Wagner

Ein Forschungsteam an der Universität Bayreuth hat herausgefunden, weshalb diese Reihenfolge gewährleistet ist. Es sind Duftstoffe, welche die Bienen aus der Ferne anlocken. Sobald sie sich einer Weidengruppe genähert haben, werden sie durch optische Anreize gezielt zu den leuchtend gelben männlichen Blüten hingelenkt. Einige Weidenarten beginnen schon Anfang März zu blühen. Jetzt ist der Nektar der Weidenblüten eine wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen und Wildbienen, die ihrerseits für die Bestäubung der Blüten unentbehrlich sind.

Charakteristisch für die Weiden sind ihre „Kätzchen“, die aus einer Vielzahl kleiner und eng benachbarter Einzelblüten bestehen. Jeder einzelne Baum oder Strauch hat, mit Ausnahme der Trauerweide, entweder nur männliche Blüten oder nur weibliche Blüten. Daher sind Weiden – biologisch gesprochen – zweihäusig getrenntgeschlechtig. Eine solche Trennung hat für die Weiden einen erheblichen genetischen Vorteil: Weibliche Blüten können nur mit Pollen bestäubt werden, die von anderen Weidenbäumen oder -sträuchern stammen. Inzucht, also die Befruchtung durch eigenen Blütenstaub, ist ausgeschlossen.

Allerdings ist die Fortpflanzung der Weiden nur dann gewährleistet, wenn die Bienen möglichst zuerst die männlichen Kätzchen anfliegen. Während sie hier den Blütennektar aufsaugen, setzen sich die Pollen in ihrem Haarkleid fest; und wenn sie anschließend die weiblichen Blüten besuchen, werden diese mit den Pollen bestäubt. Was aber ist der Grund dafür, dass die Bienen bei ihren Blütenbesuchen diese Reihenfolge einhalten? Weshalb steuern sie nicht lieber gleich die weiblichen Kätzchen an?

„Unsere Untersuchungen bestätigen die biologische Theorie, dass die männlichen Individuen einer Pflanzen- oder Tierart mehr als die weiblichen Individuen in ihre Attraktivität investieren müssen“, erläutert PD Dr. Gregor Aas, Direktor des Ökologisch-Botanischen Gartens der Universität Bayreuth. „Die leuchtend gelben Kätzchen der männlichen Weiden sind gleichsam eine intelligente Werbung für die Zielgruppe der Bienen. Sie gewährleistet, dass die im Pflanzenreich eher seltene Trennung zwischen weiblichen und männlichen Individuen der Fortpflanzung der Weiden nicht schadet, sondern ihnen im Gegenteil einen genetischen Vorteil verschafft.“

Quelle und mehr: http://www.uni-bayreuth.de/pressemitteilungen-html/098-Bienen-Weiden/index.html   gbr