Bekämpfung der Kirschessigfliegen – Gefahr für die Honigbienen?

Nach den Obstbauern schlagen nun die Winzer Alarm. Die reifenden Trauben werden durch die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege bedroht. Schnell wurde ein Mittel zugelassen, doch es ist bienengefährlich …

Die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), eine weitläufige Verwandte unserer einheimischen Essigfliege, ist zum Schrecken für alle Obst- und Weinbauern im Land geworden. Das liegt an ihren besonderen Fähigkeiten, die sie deutlich von unserer einheimischen Essigfliege unterscheidet. Die Weibchen können mit ihrem „Sägestachel“ gesunde Früchte aufschneiden, um dann im weichen Fruchtfleisch ihre Eier abzulegen. Die Larven fressen dann im Inneren der Früchte und verpuppen sich später auch dort. Über relativ große Verletzungen verlassen sie dann die Frucht. Dabei zeigen sie sich hoch flexibel. Steinobst, Kernobst und Reben werden befallen. Im Laufe des Jahres ist deutlich geworden, dass teilweise beträchtliche Schäden an Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Mirabellen und Holunder möglich sind.     Eine wahre Invasion Die Fliege hat ein enormes Vermehrungspotential. Bis zu 300 Eier kann eine einzige Fliege legen. 13 Generationen pro Jahr sind unter günstigen Bedingungen möglich. Unvorstellbare Nachkommenzahlen, die sich im Laufe der Saison entwickeln können. Kein Wunder, dass derzeit die Winzer im Land nervös werden. Sind doch ihre Trauben eine der letzten Fruchtarten, die im Jahr reif werden. Sie stehen ebenfalls auf dem Speiseplan der Kirschessigfliege. Denkbar ist, dass sich das Ergebnis dieser Massenvermehrung dann gemeinsam auf die reif werdenden Trauben stürzt.     Winzer bangen um ihre Ernte Die Beschädigung der Früchte hat Konsequenzen. Der austretende Saft wird von Essigsäurebakterien und Pilzen besiedelt und lockt dann aufgrund des entstehenden säuerlichen Geruchs andere Insekten an. Das können unsere heimischen Essigfliegen sein, die ja als lästige Besucher von beschädigten oder überreifen Früchten und von Fruchtsäften im Haushalt bekannt sind. Aber auch Wespen und Hornissen machen sich an solchen verletzten Früchten zu schaffen. Besonders kritisch ist der sogenannte Essigstich, der das Lesegut verdirbt und durch den Bakterienbefall ausgelöst wird. Die Essigsäurebakterien bauen Zuckersaft direkt in Essig um. Die Trauben riechen säuerlich und geben dem Wein eine unerwünschte Note. Besonders gefährdet sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand verschiedene Rotweinsorten. Mit der Zahl der verletzten Trauben in einem Weinberg nimmt das Risiko für dieses ernstzunehmende Problem zu. Je mehr Kirschessigfliegen, desto höher wird die Gefahr für die Qualität des Jahrgangs. Es ist also verständlich, dass die Winzer um ihre Ernte bangen.     Insektizid schädigt auch Bienen Die Bekämpfung der Kirschessigfliege ist schwierig und kritisch. Die Fliege greift Früchte an, die kurz vor der Ernte stehen. Der Einsatz von Insektiziden kann zu Rückständen im Erntegut und zu den bekannten Diskussionen führen, die niemand will. Deshalb darf 14 Tage vor der Ernte nicht mehr bekämpft werden. Über eine Notfallregelung hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL ein Insektizid zur Eindämmung des Risikos zugelassen: das SpinTor mit dem Wirkstoff Spinosad. Dieser Wirkstoff ist das Stoffwechselprodukt eines Bodenbakteriums und hat eine Fraß- und Kontaktgiftwirkung auf die Kirschessigfliege – aber auch auf die Honigbiene. Deshalb ist das Präparat B1, also als bienengefährlich eingestuft worden. Damit gilt die sogenannte Bienenschutzverordnung, die den Einsatz derartiger Präparate durch die Landwirte exakt regelt. Das Präparat darf nicht in Kulturen ausgebracht werden, die von Bienen als Trachtquellen genutzt werden. Nicht als Spritzmittel und auch nicht in der Lockstoff-Variante, die vor wenigen Tagen alternativ zugelassen worden ist.     Bienen im Wein? Was könnte für Honigbienen in den Weinbergen interessant sein? Einerseits ist es der grüne Unterwuchs, in dem auch blühende Pflanzen sein können, die jetzt vor einem SpinTor-Einsatz entfernt werden müssen. Das ist eine vollkommen neue Situation, nachdem seit etwa 25 Jahren keine bienengefährlichen Insektizide mehr im Weinbau eingesetzt werden mussten. Schade auch für die anderen Blütenbesucher. Andererseits können auch die Trauben selbst für Bienen interessant sein. Immer dann, wenn reife Trauben verletzt werden – sei es durch Hagel, Vögel oder hochkletternde Wühlmäuse, aber auch durch Wespen, Hornissen und jetzt auch durch die Kirschessigfliege –, dann wird der Traubensaft auch für Honigbienen zugänglich. Er wird vor allem dann attraktiv, wenn der Zuckergehalt im Traubensaft hoch ist und durch längere Schönwetterphasen noch weiter aufkonzentriert wird. Dann können durchaus Bienen in den Weinbergen unterwegs sein. Auch in diesem Fall ist ein SpinTor-Einsatz nicht mehr möglich.     Wachsam sein Die Weinbauern werden derzeit intensiv über diese Zusammenhänge informiert. Wenn sie die Bienenschutzverordnung einhalten, dann passiert den Bienen nichts und auch ein Wirkstoffeintrag wird in messbaren Umfang nicht stattfinden. In Fütterungsversuchen in Hohenheim haben wir zudem festgestellt, dass das Präparat eher Fraß abschreckend auf Honigbienen wirkt. Hoffen wir aber, dass die Kirschessigfliege nicht zu dem großen Problem wird, wie derzeit diskutiert.   Dr. Klaus WallnerUniversität Hohenheim Landesanstalt für Bienenkunde August-von-Hartmann-Str. 1370593 Stuttgart