Bienen lernen in Luzerne

Ist eine Biene in die Blüte einer Luzerne gekrochen, wird ihr der Pollen mit einem so heftigen Schlag auf den Bauch gedrückt, dass sie die Luzerne zukünftig meidet. Nur etwa ein Prozent der Blüten werden von Bienen bestäubt.

Jürgen Gräfe
Jürgen Gräfe

Normalerweise geben Blütenpflanzen alles dafür, um möglichst viele Bienen für die Bestäubung ihrer Blüten zu gewinnen. Die Luzerne scheint das nicht nötig zu haben. Zwar klappt es mit dem Anlocken noch ganz gut, aber ist die Biene erst mal in den Blütenkelch gekrochen, wird ihr der Pollen mit einem so heftigen Schlag auf den Bauch gedrückt, dass die lernfähigen Insekten die Luzerne zukünftig meiden. Stattdessen übernehmen vor allem verschiedene Arten der robusteren Hummeln die Bestäubung der Luzerne. Nur gut, dass die Samen für die meisten Landwirte ohnehin keine Rolle spielen, sie sind vor allem an den Blättern und Stängeln der Pflanze interessiert. Denn die Luzerne ist wegen ihrer hohen Eiweißgehalte schon seit Jahrtausenden ein geschätztes Futtermittel für Wiederkäuer.

Schon die alten Perser und Griechen fütterten damit 500 Jahre vor Christi Geburt ihre Pferde und Schafe. Auch ihr Anbau bietet viele Vorteile. Einmal gesät, kann sie über drei Jahre und länger genutzt werden, bei bis zu vier Ernten pro Jahr. Wegen ihrer hohen Ertragskraft und dem günstigen Futterwert huldigt man ihr schon seit langem mit dem Titel „Königin der Futterpflanzen“. Als klassische Hülsenfrucht sammelt sie zudem große Mengen Stickstoff aus der Luft und verbessert den Boden durch ein Wurzelwerk von majestätischen Ausmaßen. Allein die große Pfahlwurzel kann bei mehrjährigem Wachstum bis weit über vier Meter lang werden.

Dadurch hinterlässt sie nachfolgenden Kulturen üppige Mengen organischen Materials und einen optimal aufgelockerten Boden. Dennoch haben ihr andere Futterpflanzen mittlerweile den Rang abgelaufen, allen voran der Mais und die Sojabohne. Weltweit wird sie als eine der ertragreichsten Futterpflanzen aber noch auf über 30 Millionen Hektar angebaut, in den USA ist sie nach Mais, Weizen und Soja bis heute die viertwichtigste Frucht, die vor allem an Milchkühe verfüttert wird.

Doch die Luzerne glänzt nicht nur als tierisches Futtermittel. Denn gekeimt als Sprosse ist sie inzwischen eine äußerst beliebte würzige Ergänzung auf frischen Salaten und Sandwiches. Und auch hier glänzt sie wieder durch einen besonderen Inhaltsstoff: das Saponin. Einige Studien zeigen, dass Saponine das Immunsystem stimulieren und entzündungshemmend im Darm wirken. Durch den Keimprozess vervierfacht sich die Menge dieser nützlichen Verbindung.

Deshalb bleibt zu hoffen, dass sich die Honigbienen nicht von der schlechten Behandlung bei ihrer Bestäubungsarbeit abschrecken lassen und für Nachschub an Luzernesamen sorgen. Saatgutvermehrer stellen einfach doppelt so viele Völker am Feldrand auf als üblich, um die Bestäubungsrate zu erhöhen.
Quelle: Jürgen Beckhoff, www.aid.de