Bienengesundheit aktuell: Frühstart mit Problemen

Anfragen und Probeneinsendungen erreichten den Fachbereich Bienen am CVUA-Freiburg in diesem Frühling zahlreich und mindestens vier Wochen früher als in normalen Jahren. Dr. Wolfgang Ritter gibt eine Bestandsaufnahme und rät dazu, sehr aufmerksam zu sein.

Ein solcher Befall mit Varroamilben in der Drohnenbrut im Mai ist ein deutliches Warnsignal!
Ein solcher Befall mit Varroamilben in der Drohnenbrut im Mai ist ein deutliches Warnsignal! © J. Schwenkel

„Wenn ich meine Drohnenrahmen ausschneide, purzeln mir aus den aufgebrochenen Waben bei manchen Völkern die Milben in allen Stadien entgegen!“, so berichten zahlreiche Anrufer. Andere äußern hingegen: „Bei mir ist alles okay, nur ab und zu ist eine Milbe zu sehen. Meine Völker haben gut überwintert und sind seit Anfang Mai kräftig in Schwarmstimmung.“
Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Auch bei wenigen Milben muss man wachsam sein, denn diese vermehren sich bis zum Spätsommer um das Drei- bis Vierhundertfache. Dann wird es kritisch für manche Völker, und wir bekommen den bekannten Domino-Effekt, dass uns ganze Stände nacheinander zusammenbrechen.
Symptome und Analysen

Bei den Außenterminen auf den Bienen­ständen zeigte sich, dass nicht nur Varroa-Milben zu finden sind, sondern auch Viren früher als sonst ihr Unwesen treiben. Lückige Brut und schlaffe, seitlich nach oben gedrehte Larven, ähnlich den Symptomen der Europäischen Faulbrut (siehe Heft 9/2013), wiesen immer wieder auf das Akute Bienen Paralyse Virus hin.

Am Flugbrett findet man schon jetzt häufig missgebildete Drohnen, aber selten Arbeiterinnen.
Am Flugbrett findet man schon jetzt häufig missgebildete Drohnen, aber selten Arbeiterinnen. © W. Ritter

Missbildungen bei schlüpfenden Jungbienen waren Zeichen für das Deformierte Flügel Virus. Mancherorts hatte man das Gefühl, als hätten wir bereits Ende Juli, wenn die Entscheidung ansteht: Schon behandeln oder die nächste Tracht noch nutzen?
Trotz Unterschieden in den Regionen und zwischen den Ständen bestätigen unsere Labor-Analysen diese an den Völkern beobachteten Symptome. Sicher sind teilweise auch Behandlungsfehler die Ursache. Und ganz bestimmt waren bei der Varroa­behandlung in diesem milden Winter nicht alle Völker brutfrei! Vereinzelt sind (wie immer) aber auch Imker betroffen, die scheinbar alles richtig gemacht haben.
Krankheit oder Vergiftung

Am Flugloch oder am Boden vor den Beuten fallen die schwarzen Krabbler sofort ins Auge, die von Wächterbienen abgewehrt werden.
Am Flugloch oder am Boden vor den Beuten fallen die schwarzen Krabbler sofort ins Auge, die von Wächterbienen abgewehrt werden. © J. Schwenkel

Auf anderen Ständen konnten torkelnde, zitternde Bienen beobachtet werden. Häufig sind es schwarz erscheinende Bienen, die am Flugloch heftig abgewehrt werden. Man entdeckt sie auch im Stock – mit zitternden Flügeln – vor allem auf den Oberträgern unterm Deckel. Bei den meisten der an uns eingesandten Proben konnten wir das Chronische Paralyse Virus feststellen. Meistens können sich die Völker in kurzer Zeit selbst heilen, wenn die kranken Bienen schnell abgehen und durch junge, gesunde ersetzt werden.

Durch Pflanzenschutzmittel verursachte Bienenverluste vor den Fluglöchern.
Durch Pflanzenschutzmittel verursachte Bienenverluste vor den Fluglöchern. © Christoph Koch

Von massiven Verlusten vor den Fluglöchern wurde in der zweiten Aprilhälfte aus dem Südwesten und der Schweiz berichtet. Um dem Verdacht auf Vergiftungen
der Bienen durch Spritzmittel nachzugehen, schickte man z. B. aus dem am stärksten betroffenen Ortenaukreis über 120 Proben ans Julius Kühn-Institut (JKI) nach Braunschweig. Auch wenn von uns in vielen der Proben die genannten Viren gefunden wurden, bleibt offen, ob nicht doch eine Vergiftung vorliegt. Bei Redaktionsschluss lagen allerdings die abschließenden Befunde des JKI noch nicht vor.

Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten!

Mit diesen Hinweisen soll keinesfalls Panik erzeugt werden. Vielerorts scheint alles in Ordnung zu sein. Es geht darum, wachsam zu bleiben und gerade den Varroa-Befall oder auch andere Krankheitssymptome frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Bei Verdachtsfällen auf Vergiftungen sollte man möglichst schnell von den dafür Beauftragten genommene Proben einsenden (siehe Ausgabe 04/2014). Lieber einmal zu viel als zu wenig prüfen!   Dr. Wolfgang Ritter
ritter@bienengesundheit.de