Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge

Der Sonnenröschen-Bläuling fühlt sich auf „Wiese Nr. 12“ des Projektes wieder wohl. © Senckenberg/Nuß
Der Sonnenröschen-Bläuling fühlt sich auf „Wiese Nr. 12“ des Projektes wieder wohl.
© Senckenberg/Nuß

„In Sachsen sind bereits 13 Prozent der Tagfalterarten ausgestorben – noch einmal so viele sind vom Aussterben bedroht,“ so Prof. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. „Die Abnahme der Schmetterlingsarten führt zu weiteren Problemen: Singvögel, die ihre Jungen mit Raupen füttern und Fledermäuse, die sich hauptsächlich von Nachfaltern ernähren, verlieren ihre Nahrungsgrundlage“, so weiter. Motorsägen, Laubbläser, Pestizide und Dünger – moderne Technik und Chemie kommen ständig auf den Grünflächen in Städten und Gemeinden zum Einsatz. „Diese vermeintliche Ordnung des Menschen bedeutet für viele Arten den Verlust ihres Lebensraumes – und für uns Menschen bedeutet dies den Verlust von ‚Ökosystem-Dienstleistungen’, wie etwa Bestäubung“, erklärt der Wissenschaftler.

Am 28. August wurde das sächsische Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ mit der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Das Projekt setzt sich für „Schmetterlingswiesen“ – teilweise nicht gemähte Grünflächen in Städten – ein. Seit dem Projektstart vor drei Jahren entstanden dank der Initiative 170 neue Lebensräume für Tagfalter. Die Auszeichnung erhalten Projekte, die sich in nachahmenswerter Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Das Projekt widmet sich der zu intensiven Mahd von Grünflächen in Städten und Dörfern und ruft dazu auf, eine Fläche im Jahr nur zwei- bis dreimal zu mähen und bei jeder Mahd 10 bis 30 Prozent der Fläche nicht gemäht zu belassen. Deshalb erhielt die Initiative für ihr Engagement den Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“.

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt: „Den ‚Schmetterlingswiesen’ haben sich Privatpersonen, Schulen, Kindergärten, Unternehmen, Kommunen, Kleingartenvereine und weitere Akteure verpflichtet, um die Tagfalter in Sachsen zu schützen. Derartige Projekte sind wichtig, um die Bürger für den Naturschutz und für den Erhalt der Artenvielfalt zu sensibilisieren.“ „Die Schmetterlinge kommen zurück“, freut sich Dr. Matthias Nuß, Initiator des Projektes und Leiter der Sektion Lepidoptera am Senckenberg Museum für Tierkunde und fügte hinzu: „Auf den Wiesen entwickeln sich Eier, Raupen und Puppen weiter; von dort aus können die Falter die zuvor gemähten Bereiche wieder besiedeln.“

Auf der Projekt-Webseite www.schmetterlingswiesen.de gibt es viele Tipps zur Wiesenpflege und Wissenswertes über Tagfalter und ihre Nahrungspflanzen. Die „Wiesenpfleger“ schreiben in ihren Blogs, welche Erfahrungen sie gemacht haben; man kann ein Schmetterlingswiesenschild bestellen, das im Stadtbild auf das Projekt aufmerksam macht. Wer wissen möchte, welche Tagfalterarten auf seiner Wiese fliegen, erfährt dies mit einer kostenlosen App. Arten lassen sich mit deren Hilfe interaktiv auf dem Smartphone bestimmen und Beobachtungen können mitgeteilt werden. „Die Einbindung von Bürgerwissenschaftlern hat bei Senckenberg eine lange Tradition – unsere Gesellschaft wurde einst vor 200 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet und auch heute noch sind sie ein wichtiger Bestandteil unserer Forschungs- und Sammlungstätigkeit“, so Mosbrugger.
Quelle und mehr: https://idw-online.de/de/news680008 (Judith Jördens)