Blüten von nebenan

Bunte, nicht zu intensiv genutzte Wiesen sehen nicht nur attraktiv aus, sie bieten auch einen wertvollen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Doch vielerorts sind sie selten geworden. Woher Nachsaaten nehmen?

Die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) ist regional angepasst.
Die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) ist regional angepasst. © Walter Durka

Um wieder mehr solcher Kräuterwelten zu schaffen, muss man die entsprechenden Pflanzen normalerweise einsäen. Doch mit welchen Samen? Viele Wissenschaftler und Naturschützer plädieren für Saatgut aus der gleichen Region. „Für Wiesenpflanzen gab es solche Regelungen bisher noch nicht“, sagt Biologe Dr. Walter Durka vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Wer in seinem Garten eine Blumenwiese anlegen will, findet im Handel die verschiedensten Saatgutmischungen. Diese stammen zwar durchaus von heimischen Pflanzenarten, können aber theoretisch überall auf der Welt gewonnen worden sein. Allein in den Jahren 2007 und 2008 hat Deutschland 13.000 Tonnen Gras- und 280 Tonnen Kräuter-Samen importiert. „Im Ausland lässt sich dieses Saatgut zwar oft günstiger gewinnen als in Deutschland“, erklärt er, “dafür sind die Pflanzen dann aber vielleicht an die Bedingungen in Neuseeland angepasst und nicht an die in Bayern oder Brandenburg“.

Viele Ökologen plädieren deshalb dafür, dass auch die Samen von Wiesenpflanzen aus der näheren Umgebung stammen sollten. Wissenschaftler der Universität Hannover haben dazu auch schon ein Konzept entwickelt, das anhand verschiedener geografischer Kriterien Deutschland in 22 Herkunftsgebiete einteilt, die zu acht sogenannten Produktionsräumen zusammengefasst sind. Etliche Firmen bieten bereits Saatgut an, bei dem sich genau zurückverfolgen lässt, aus welchem dieser Gebiete es stammt. Die Nachfrage danach dürfte künftig weiter steigen. Denn ab 2020 darf in Deutschland für die Rekultivierung von Wiesen in der freien Landschaft nur noch solches Regio-Saatgut verwendet werden.     UFZ-Ökologen haben zusammen mit Kollegen der Universitäten Tübingen und Münster sowie der Technischen Universität München untersucht, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Demnach hat das Regio-Saatgut tatsächlich Vorteile, das zeigen zwei Studien in der Fachzeitschrift „Journal of Applied Ecology“.     Quelle und ausführliche Infos: https://idw-online.de/de/news648167 (Susanne Hufe)