Das große Krabbeln: Insekten als Lebensmittel

Verkaufsstand mit Insektennahrungsmitteln in Bangkok, Thailand. Gegen den Uhrzeigersinn, von hinten links nach vorne: Heuschrecken, Bambuswürmer, Mottenpuppen, Grillen, Skorpione, Tauchkäfer und Wasserkäfer. Sie sind frittiert. Quelle: Wikipedia/Tokaradee (CC BY-SA 3.0)

In vielen Ländern der Welt sind Insekten bereits fester Bestandteil der Ernährung. Abhängig von der Art sind sie reich an Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen. Auf dem 9. Leipziger Tierärztekongress wird Dr. Christine Wind vom Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Freiburg genauer auf die Verwendung von Insekten als Lebensmittel eingehen.

Käfer, Raupen, Heuschrecken und Termiten werden normalerweise in der Küche nicht gerne gesehen. Jedoch könnte sich das mit der neuen EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel ab dem 1. Januar 2018 ändern, denn diese legt klar den rechtlichen Rahmen für das Inverkehrbringen von ganzen Insekten, Insektenteilen und aus Insekten gewonnenen Inhaltsstoffen fest. Ein Inverkehrbringen dieser Produkte ist dann nach erfolgter gesundheitlicher Bewertung und Zulassung möglich. „Die mediale Präsenz steigt, und damit auch das Interesse in der Bevölkerung an Nahrung aus Insekten“, erklärt Dr. Wind. Vor allem in der jüngeren Bevölkerungsschicht führe Abenteuerlust dazu, dass Neues ausprobiert wird. Politisch gesehen würden Gründe wie Nachhaltigkeit und gesundheitliche Aspekte betont. Nicht zuletzt zähle auch der Geschmack: viele Insektenarten wären mit ihrem nussigen und würzigen Geschmack ein Leckerbissen.

Die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, hat 2015 ein sogenanntes Risikoprofil zur Gewinnung und zum Verzehr von Insekten als Lebens- und Futtermittel erstellt. Dr. Christine Wind erklärt: „Auf wissenschaftlicher Basis wurden unter anderem eventuelle Gefahren für die Gesundheit des Menschen beleuchtet, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Krankheitskeimen, die Allergenität von Insekten oder deren mögliche Belastung mit chemischen Schadstoffen“. Das mikrobiologische und chemische Risiko hänge laut Dr. Wind, nach Einschätzungen der Experten, maßgeblich von der Insekten-Spezies, dem Entwicklungsstadium des Insekts und den jeweiligen Anzucht- und Verarbeitungstechnologien ab. „In Europa beispielsweise stammen die Insekten aber aus speziellen Zuchten für Lebensmittel-Insekten“, bemerkt Dr. Wind.

Gegenüber klassischen Nutztieren sind Insekten reich an hochwertigen Proteinen und weiteren Nährstoffen, leisten einen Beitrag zur Ernährung einer steigenden Weltbevölkerung, benötigen weniger Land bei der Aufzucht und haben einen geringen Wasserbedarf, produzieren wenige Treibhausgase, weisen eine hohe Futterverwertungseffizienz auf und ermöglichen die Aufzucht mit verschiedenen Futter-Substraten.

Potentielle Risiken hingegen können unter anderem pathogene Bakterien, Viren, Parasiten, Pestizide oder Schwermetalle sein, die in oder auf den Insekten auftreten. Hinzu zählen außerdem Allergene sowie physikalische Risiken aufgrund eines harten Exoskeletts, Flügeln oder Stacheln.

Der Vortrag zum Thema „Insekten als Lebensmittel in der amtlichen Untersuchung“ findet im Rahmen des Blocks „Lebensmittelmikrobiologie / Technologie / Hygiene II“ am 19. Januar 2018 von 12.10 bis 12.25 Uhr statt, innerhalb des 9. Leipziger Tierärztekongresses (18. bis 20. Januar 2018).

Quelle: PM der Leipziger Messe GmbH