Der Countdown läuft – Zulassungsstopp für Neonicotinoide

Zwei Jahre soll die Zulassung der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiametoxam ruhen, ihre Anwendung weitestgehend untersagt sein. Das hat die EU-Kommission mit Wirkung ab 1. Dezember 2013 beschlossen. Nun läuft die Uhr. Die Chemiefirmen Bayer und Syngenta fechten die Entscheidung gerichtlich an.

Was soll in diesen zwei Jahren geschehen? Woher soll neues Wissen kommen? Vornehmlich von der Industrie, so die Kommission. Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland * warnt.
„Zwei Jahre sind für eine systematische Erforschung der Effekte der Neonicotinoide auf die Bestäuberinsekten schlicht nicht genug“, sagt Neurobiologe Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin. Es fehlten einfach fundamentales Wissen, vor allem über das Zusammenspiel verschiedener Gefährdungsfaktoren wie Krankheiten, Insektizide, Futtermangel und genetische Unterschiede in der Anfälligkeit von Bienen und anderen wichtigen Bestäuberarten, meint sein Kollege Peter Neumann, Bienenpathologe an der Universität Bern. Beide Wissenschaftler sowie weitere deutsche Experten der Bienenökologie vermissen konkrete Forschungsaufträge zur Klärung der offenen Fragen.   Die EU-Kommission verweist auf verschiedene europäische Forschungsprojekte, von denen sie sich passende Ergebnisse erhofft. Den Großteil der neuen Erkenntnisse erwartet sie jedoch von der Industrie. Und die drängt schon mit Klagen gegen das Verbot. So vermuten deutsche Wissenschaftler am Ende ein Abwägen der EU-Parlamentarier auf der
bisherigen lückenhaften Wissensgrundlage – und einen Sieg der Industrielobby.   Wie wichtig ist der EU-Kommission also eine lückenlose Aufklärung der Neonicotinoid-Frage? Immerhin geht es um eine der ökonomisch wichtigsten sogenannten
Ökosystemdienstleistungen der Natur.
Eine direkte tödliche Wirkung konnte den drei wichtigsten Neonicotinoiden, Clothianidin, Imidacloprid und Thiametoxam, bei im Feld üblichen Konzentrationen
nicht nachgewiesen werden. Immer mehr Studien bescheinigen ihnen allerdings eine indirekt tödliche Wirkung. So konnte gezeigt werden, dass ein großer Teil von kontaminierten Sammelbienen den Heimweg nicht mehr findet und für das Volk verlorengeht. Hummeln sterben schon bei wesentlich geringeren Dosen als Honigbienen und produzieren vor allem kaum noch Königinnen, die die Art aufrechterhalten. gbr
Quelle: PM http://idw-online.de/de/news559687 (Sebastian Tilch)
* Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo) – Projektpartner des NeFo sind das Museum für Naturkunde Berlin, die Universität Potsdam und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ.
www.biodiversity.de