Dramatischer Rückgang von Tagfalterarten

In den letzten 200 Jahren ist in Deutschland ein deutlicher Rückgang von Schmetterlingsarten zu verzeichnen. Waren es im Jahr 1840 noch 117 Arten, flatterten im Jahr 2013 nur noch 71 verschiedene Tagfalter im Untersuchungsgebiet.

Die Berghexe (Chazara briseis) ist - wie viele spezialisierte Tagfalter - vom Aussterben bedroht.
Die Berghexe (Chazara briseis) ist – wie viele spezialisierte Tagfalter – vom Aussterben bedroht. © Senckenberg/Schmitt

Als bedrohende Faktoren nennen Senckenberg-Wissenschaftler in ihrer kürzlich im Fachjournal „Conservation Biology“ erschienenen Studie die Intensivierung der Landschaftsnutzung, den globalen Klimawandel sowie die Belastung durch Stickstoff. Die Berghexe (Chazara briseis) ist vom Aussterben bedroht – der elegant ockerbraun gescheckte Tagfalter ist auf magere Trockenrasen beschränkt und wird es aufgrund des Landschaftsnutzungswandels und der globalen Erwärmung in Zukunft schwer haben. „Leider ist das nicht der einzige Schmetterling, der in Deutschland stark gefährdet ist“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schmitt, Leiter des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg und fährt fort: „Unsere Studie zeigt, dass in den letzten 200 Jahren die Anzahl von Tagfalterarten dramatisch abgenommen hat.“

Das Team rund um den Müncheberger Schmetterlingsforscher hat durch den Vergleich von internationaler, nationaler und regionaler Fachliteratur sowie eigener Aufsammlungen die Veränderungen der Schmetterlingsfauna in einem Naturschutzgebiet nahe dem bayrischen Regensburg innerhalb der vergangenen 200 Jahre untersucht. „Die meisten Tagfalterarten konnten wir von 1840 bis 1880 nachweisen; in diesem Zeitraum gab es im Schnitt 117 verschiedene Schmetterlingsarten auf dem circa 45 Hektar großen Wiesenstück, im Jahr 2013 waren es nur noch 71 Arten“, erläutert Schmitt.

Besonders spezialisierte Arten, die an einen bestimmten Landschaftstyp oder eine spezielle Nahrungsquelle gebunden sind, sind vom Artenrückgang oder vom Aussterben bedroht. „Generalisten, also Tagfalter, die sich gut an verschiedene Bedingungen anpassen können, beispielsweise das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs, sind bisher nicht betroffen. Aus unserer Sicht ist das aber nur eine Frage der Zeit, wenn schon in ausgewiesenen Schutzgebieten ein Verlust zu verzeichnen ist“, ergänzt Schmitt. Besonders in den letzten 30 Jahren sind die Aussterberaten laut der Studie höchst besorgniserregend. „Es sollten dringend Schutzmaßnahmen für die Schmetterlinge Deutschlands ergriffen werden – insbesondere für die Spezialisten unter den Tagfaltern“, empfiehlt Schmitt.

Quelle und Kontakt: https://idw-online.de/de/news648526 (Judith Jördens)