EFSA hält Glyphosat für unbedenklich

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat heute am 12. November 2015 eine entscheidende Bewertung des weltweit am meisten verwendeten Pestizidwirkstoffs Glyphosat veröffentlicht, die den Weg für eine Verlängerung der EU-Zulassung ebnet.

Efas-Glyphosat.jpgDer Wirkstoff war von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft worden. Die federführende deutsche Behörde BfR (Bundesamt für Risikobewertung) sah hingegen „kein Krebsrisiko bei einer ordnungsgemäßen Anwendung“. José Tarazona, Leiter des EFSA-Referats Pestizide, erklärte: „Es handelte sich hierbei um einen umfassenden Prozess – eine vollständige Bewertung, die eine Fülle neuer Studien und Daten berücksichtigte. Durch die Einführung einer Akuten Referenzdosis verschärfen wir die künftige Bewertung potenzieller Risiken durch Glyphosat. Was die Karzinogenität betrifft, so ist es unwahrscheinlich, dass dieser Stoff krebserregend ist.“

Die grüne Europa-Abgeordnete Maria Heubuch kommentiert: „Solange es keinen wissenschaftlichen Konsens zur Schädlichkeit von Glyphosat gibt, muss die EU-Kommission das Vorsorgeprinzip anwenden und die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat verweigern. Unabhängig von der Einstufung sollten in jedem Fall die Anwendung im Privatbereich sowie die Sikkation (Austrocknung), die zu hohen Rückständen in Lebensmitteln führt, vollständig ausgesetzt werden.“

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist der aktuelle Glyphosat-Bericht der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA ein Beleg für die unglaubliche Ignoranz der Behörde gegenüber den Gesundheitsrisiken des Wirkstoffes. Besonders verwerflich sei, dass die täglich akzeptierte Dosis für die Aufnahme des Wirkstoffes durch den Menschen von 0,3 Gramm auf 0,5 Gramm pro Kilo Körpergewicht angehoben werden solle. Inzwischen sei klar, dass wichtige Hinweise zur Krebsgefahr in der BfR-Bewertung zu Glyphosat unberücksichtigt geblieben seien.

Jetzt laufe es wohl auf eine Verlängerung der EU-Zulassung des Wirkstoffes um mindestens zehn Jahre hinaus, befürchtet die BUND-Pestizidexpertin Heike Moldenhauer. „Offenbar wollte sich kein EU-Mitgliedstaat mit den Glyphosat-Herstellern und den Bauernverbänden anlegen und den Glyphosat-Einsatz unterbinden“, vermutet Moldenhauer. „Würde Glyphosat verboten, wäre die industrialisierte Landwirtschaft, die ohne den massiven Einsatz von Spritzmitteln nicht auskommt, grundsätzlich infrage gestellt. Monsanto als der weltweit größte Glyphosat-Produzent verlöre sein wichtigstes Geschäftsfeld. Der Konzern macht die Hälfte seines Gewinns mit Glyphosat und mit an Glyphosat angepasstem Gentech-Saatgut.“

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger: „Das ist ein schwarzer Tag für den Verbraucher. Monsanto wird es freuen, dass die EFSA sogar höhere Dosen erlaubt, was die Menschen an Glyphosat täglich zu sich nehmen dürfen. Die EU-Mitgliedstaaten und damit auch Bundesagrarminister Christian Schmidt müssen den EFSA-Bericht zurückweisen. Glyphosat ist wahrscheinlich krebserzeugend, deshalb muss sein Verbot so schnell wie möglich kommen“.

Quellen:
PM der Efsa vom 12. 11. 2015 http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/151112
PM BUND und PM Die Grünen vom 12.11.2015 gbr