Ein Flugtag ist nicht immer ein Trachttag!

Bienenvölker leiden zum Teil an Futternot, warnt Armin Spürgin, der Obmann für Trachtbeobachtung und Wanderung und diesjähriger Monatsbetrachter von „ADIZ / die biene / Imkerfreund“ in einer Rund-Mail des Landesverbandes Badischer Imker. Mit Sicherheit besteht das Problem nicht nur für die Bienen im Südwesten, sondern vermutlich und möglicherweise in vielen Regionen.

Trotz Vollblüte sind solche Trachtage aufgrund der Wetterlage in diesem Jahr bisher selten.
Trotz Vollblüte sind solche Trachtage aufgrund der Wetterlage in diesem Jahr bisher selten. © J. Schwenkel

War der vergangene Winter ungewöhnlich, so ist es dieser Frühling ebenso. Der eine Tag war zu warm, der andere zu kalt und verregnet – zumindest aus Imkersicht. Dennoch waren einige schöne Flugtage für die Bienen dabei. Manche Imker überschätzen aber die Flugaktivität der Bienen und meinen, damit sei auch immer Nektareintrag verbunden. Ab 9-10 °C tragen die Bienen immerhin Wasser ein. Wenig darüber kommen sie schon unverkennbar mit Pollen zurück. Viele Blütenpflanzen beginnen aber erst in Richtung 20°C mit der Nektarproduktion. Eine große Ausnahme macht der Raps, der schon um die 15°C zu honigen beginnt. Außerhalb des Rapsanbaues hatten wir im südlichen Oberrheingraben bis zum 19. April nur 3-4 Tage mit Nektareintrag in der Größenordnung von 100 bis 800 Gramm. Jeder möge sich im Trachtmeldedienst für seine Region überzeugen. Einige Waagen senden ja schon den ganzen Winter über.

Futtervorrat und Futterumsatz sind zweierlei

Der Verbrauch, besonders der schon gut entwickelten Völker, war bis jetzt also immer noch höher als der Nektareintrag. Dies gilt zumindest für Standorte ohne Rapsblüte. Das kann bedeuten, dass trotz guter Wintereinfütterung die Vorräte in den Völkern zur Neige gehen. Wer dies nicht bemerkt, könnte die böse Erfahrung machen, dass im Frühjahr während der schönsten Blüte Bienen verhungern! Starke Völker haben bereits Baurahmen und Mittelwände bekommen. Ohne Futterumsatz geschieht damit nicht viel. Sollte sich das Wetter weiterhin so fortsetzen, kann empfohlen werden, auch leidlich versorgte Völker zu füttern. Ein gut versorgtes Bienenvolk hat als Randwaben stets schön verdeckelte Futterwaben sitzen.

Womit füttern?

Völker, die bereits den Honigraum bekommen haben, dürfen jetzt nur mit Honig gefüttert werden. Vorsicht: Zur Vermeidung von Seuchenübertragung (insbesondere Amerikanische Faulbrut) sollte ausschließlich eigener Honig verfüttert werden. Höchste Seuchengefahr besteht bei billigem Auslandshonig aus dem Supermarkt.    Die beste Wirkung hat man mit einem Honigwasser im Verhältnis 3:1 in Portionen von 1-1,5 Liter. Dünnere Mischungen sind gefährlich, denn sie neigen zur Gärung. Flüssigfütterungen sind schnell „wirksam“ und können je nach Wetterlage rasch eingesetzt, wiederholt oder abgebrochen werden. Kandierter Honig hat eine langsameren Eintrag zur Folge und eignet sich eher für Völker, die an sich gut versorgt sind. Die Honiggabe in fester Form wird aber über mehrere Tage abgenommen und hat dadurch eine anhaltende stimulierende Wirkung. Mittelwände und Baurahmen werden dabei aber nur zögerlich ausgebaut. Vorsicht! Auch kandierter Honig braucht im Futtergeschirr eine „Schwimmhilfe“ für die Bienen (Hobelspäne, Laub, Papierschnipsel, Küchenpapier, etc.)   Siehe hierzu Fotoserie zum Füttern.
sowie der Beitrag von Armin Spürgin von 2013 zum gleichen Thema

Völker ohne Honigraum

Völker die noch keinen Honigraum bekommen haben, sind oft noch gut mit Futtervorräten versorgt. Kleine Völker und Nachzügler verbrauchen eben weniger als große, sind aber durch ihre geringere Vitalität gefährdet. Gut bevorrateten ein- und zweiräumigen Völkern kann man weiterhin mit Vorsicht Futterwaben aufdrücken um sie bei Frühjahrslaune zu halten. Steht kein Futterhonig zur Verfügung, kann bei Futterknappheit mit 2,5 kg Futtersirup ausgeglichen werden, um wieder für die nötigen Futterkränze um das Brutnest zu sorgen. Für einen kontinuierlichen Futterstrom sorgt auch Honig-Zuckerteig (1 Teil Honig : 3 Teile Puderzucker) oder Apifonda, das nur in geringem Maß eingelagert wird. Zuckerfütterungen sind zu dieser Jahreszeit immer zweite Wahl und sollten auf jeden Fall 1-2 Wochen vor der Erweiterung eingestellt werden.
Ausnahme: Völker mit „angepasstem“ Brutraum haben unter dem Absperrgitter in der Regel keine Futtervorräte. Sie dürfen auf jeden Fall nur mit Honig gefüttert werden, da alles was in das Volk gelangt, ob durch Tracht oder Fütterung, im Honigraum abgespeichert wird.     Hoffen wir, dass die Witterung baldmöglichst dem Namen „Frühling“ wieder alle Ehre macht und dieser Warnaufruf in Kürze zu (digitaler) Makulatur wird.     Armin Spürgin Obmann für Trachtbeobachtung und Wanderung im LV Badischer Imker