EU-Kommission: Pollen keine Zutat in Honig

Meldung aus Heft 11/2012, Seite 3

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 6. September 2011 gilt Pollen als Zutat in Honig. Daraus folgt, dass Honig, der Pollen eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO) enthält, ein aus GVO hergestelltes Lebensmittel ist und demnach einer Zulassungspflicht unterliegt. Sonst ist ein solcher Honig nicht verkehrsfähig.
Am 21. September 2012 hat nun die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung der Honigrichtlinie von 2001 angenommen. Pollen solle nicht mehr als Zutat, sondern als natürlicher Bestandteil von Honig gelten. Was zunächst logisch erscheint, hat jedoch einen brisanten Hintergrund, denn damit könnte das EuGH-Urteil nachträglich ausgehebelt werden. Deshalb lehnt das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik, dem unter anderen D.I.B.-Präsident Peter Maske, DBIB-Präsident Manfred Hederer sowie Mellifera-Vorstand Thomas Radetzki angehören, den Vorschlag der EU-Kommission strikt ab. Die von der Kommission angestrebte Novelle könne letzten Endes dazu führen, dass selbst Honig, der vollständig oder zu großen Teilen aus Gentechnik-Raps stammt, nicht mit einem Hinweis auf die Gentechnik gekennzeichnet werden müsse. Würde es der Kommission nur darum gehen, im Interesse der Imker eine Zutatenliste für Honig zu vermeiden, wäre es naheliegender, nicht die Honigrichtlinie, sondern das allgemeine Lebensmittelkennzeichnungsrecht zu ändern.
Aus Sicht der im Bündnis zusammengeschlossenen Imkerverbände möchte die EU-Kommission mit ihrem Vorstoß verhindern, dass die Imker aus Schäden durch die Verunreinigung ihres Honigs mit verbotener Gentechnik Schutz- oder gar Schadensersatzansprüche ableiten könnten.
Ausführliche Stellungnahme auf www.bienen-gentechnik.de

Quelle: PM des Bündnisses zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik vom 8.10.2012kn