Feldwespenarten identifiziert

Weibchen der Haus-Feldwespe Polistes dominula auf ihrem Nest. Foto: Gerd Reder
Weibchen der Haus-Feldwespe Polistes dominula auf ihrem Nest.
Foto: Gerd Reder

Wissenschaftlern der Zoologischen Staatsammlung München (SNSB-ZSM) ist es gelungen, die 17 Feldwespenarten von Europa und dem Mittelmeerraum vollständig zu revidieren und die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Arten aufzuklären. Dabei setzten sie erstmalig auf die sogenannte integrative Taxonomie, indem sie die klassischen Methoden der morphologischen Untersuchung mit modernen Methoden des DNA-Barcodings kombinierten. Außerdem konnten die Forscher eine für die Wissenschaft neue Art aus Marokko identifizieren, in dieser bisher gut untersuchten Wespengattung eine kleine Sensation. Aufgrund der genetischen Zuordnung wurden außerdem Unterscheidungsmerkmale für die Arten herausgearbeitet und ein vollständig neuer Bestimmungsschlüssel erstellt.

Genauer untersucht wurden die Feldwespen der Gattung Polistes aus der Familie der Faltenwespen. Diese sind mit 17 Arten in Europa und im Mittelmeerraum sowie mit vier Arten in Deutschland vertreten. 13 Arten besitzen eine soziale Lebensweise, bei der die überwinternden Königinnen im Frühjahr einjährige Nester mit Völkern mit bis zu 200 Arbeiterinnen gründen. Vier Arten leben parasitisch und besitzen keine Arbeiterinnen. Die Parasitenkönigin überfällt dabei ein Wirtsnest einer anderen Polistes-Art, dominiert die Wirtskönigin und sorgt dafür, dass deren Arbeiterinnen nur ihre eigenen Larven aufziehen. Obwohl Polistes seit mehr als 200 Jahren in Mitteleuropa gut bekannt ist, war die Kenntnis der Arten im Mittelmeerraum bisher unzureichend. Die Bearbeitung wurde erschwert, weil sich viele Arten nur geringfügig voneinander unterscheiden und zudem eine hohe Variabilität in den Farbmustern aufweisen.

Die größte Überraschung der Forschungsarbeit ergab die genetische Analyse eines Tiers aus dem Hohen Atlas-Gebirge in Marokko: Es handelt sich dabei um eine neue Feldwespen-Art, die in ihrer Verbreitung auf die Gebirge in Marokko beschränkt ist. Die Wissenschaftler gaben ihr den Namen Polistes maroccanus. Des Weiteren stellte man fest, dass die im Süden weit verbreitete Sammelart Polistes gallicus eigentlich in insgesamt drei eigenständige Arten aufgetrennt werden kann. Das gleiche sehr überraschende Ergebnis betrifft eine auch bei uns heimische Wespenart: Die Genanalyse der in Deutschland sehr häufigen Haus-Feldwespe Polistes dominula gibt Hinweise darauf, dass diese Art in Wirklichkeit aus bis zu drei verschiedenen und bisher unerkannten Arten besteht. Mindestens zwei davon kommen auch in Deutschland vor. Dieser Befund soll durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Publikation:
Schmid-Egger C, van Achterberg K, Neumeyer R, Morinière J, Schmidt S (2017) Revision of the West Palaearctic Polistes Latreille, with the descriptions of two species – an integrative approach using morphology and DNA barcodes (Hymenoptera, Vespidae). ZooKeys 713: 53-112. https://doi.org/10.3897/zookeys.713.11335
www.barcoding-zsm.de

Quelle und mehr: https://idw-online.de/de/news684211 (Dr. Eva-Maria Natzer)