Geladene Bienen ziehen Spinnfäden an

Spinnen nutzen viele raffinierte Tricks, um Beute zu fangen. Muster und Netzform sind dabei immer optimal an die unterschiedliche Lebensweise der Spinnen angepasst. Ob Rad-, Trichter- oder Baldachinnetz: sie werden alle aus Spinnenseide gebaut, die zugleich elastisch und reißfest ist. Da die Seidenfäden um ihr Dreifaches gedehnt werden können, hält das Netz auch dem Aufprall eines größeren Insektes stand, ohne zu zerreißen. Die Beute bleibt in den klebrigen Querfäden hängen und verheddert sich schließlich im Netz. Die Spinne selbst hat eine Ölschicht an den Füßen, die bei ihr die Klebewirkung der Spinnenseide verhindert. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften ist die Spinnenseide schon seit Jahren in der Bionik ein sehr interessantes, natürliches Vorbild für die Technik. Amerikanische Wissenschaftler haben nun eine weitere Eigenschaft des Spinnennetzes entdeckt: noch bevor Bienen oder andere Insekten  das Spinnennetz überhaupt berühren, heben sich die Fäden dem Insekt entgegen. Die Videos einer Hochgeschwindigkeitskamera zeigen deutlich, dass Beutetiere das Spinnennetz bis zu zwei Millimeter anziehen und darin hängen bleiben. Verantwortlich für dieses Phänomen ist die elektrische Ladung der Insekten. Der Flügelschlag von Bienen, Fliegen oder anderen Insekten bewirkt nämlich eine Reibung der Luftmoleküle an ihrem Körper. Dadurch entsteht eine elektrische Ladung, die mehrere Hundert Volt betragen kann. Je größer das Insekt ist, desto stärker sind die elektrostatischen Wechselwirkungen mit der Spinnenseide. Die Forscher vermuten deshalb, dass größere Beutetiere nicht nur einzelne, sondern mehrere Fäden gleichzeitig bewegen können und damit die Fangwahrscheinlichkeit erhöhen. Dazu wollen sie nun in weiteren Untersuchungen die offensichtlich wichtige Rolle elektrostatischer Ladungen im Leben der Insekten noch genauer unter die Lupe  nehmen.   Dr. Heike Ruff   Quelle: Ortega-Jimenez VM and Dudley R: Spiderweb deformation induced by electrostatically charged insects; Scientific Reports 3, Article number: 2108 (2013); doi:10.1038/srep02108     Dass die Bienen selbst diese elektrischen Felder zur sozialen Kommunikation, wie z.B. beim Schwänzeltanz nutzen, davon berichten Uwe Greggers und Randolf Menzel in der Juniausgabe von ADIZ/die biene/Imkerfreund im Beitrag "Hochspannung im Bienenvolk".