Gentechnik im Honig: Bayern zahlt Schadensersatz

Im jahrelangen Rechtsstreit wegen Verunreinigungen seines Honigs mit dem für Lebensmittel nicht zugelassenen Genmais MON810 zahlt der Freistaat Bayern nun dem Imker Karl-Heinz Bablok einen Schadensersatz in Höhe von sechstausend Euro.

Karl-Heinz Bablok wandert seine Völker ab.
Karl-Heinz Bablok wandert seine Völker ab. © Timo Bablok

Der Freistaat Bayern, dessen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) den Genmais angebaut hatte, gleicht mit der Zahlung den Schaden aus, der dem Imker Karl-Heinz Bablok wegen nicht verkehrsfähiger Imkereiprodukte, für DNA-Analysen und für Mehrkosten beim Abwandern seiner Bienenvölker entstanden war. Im sogenannten „Honig-Urteil“ hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2011 entschieden, dass Pollen von gentechnisch veränderten (gv-) Organismen im Honig als wesentliche Beeinträchtigung anzusehen sind, wenn diese nicht als Lebensmittel zugelassen sind. Das ist die Grundlage für Schadensersatzansprüche von Imkern.     Die Einstufung von Pollen als Zutat hätte auch eine weitreichende Kennzeichnungspflicht von gv-Pollen, der als Lebensmittel zugelassen ist, zur Konsequenz gehabt. Durch eine Änderung der EU-Honig-Richtlinie im Juni 2014 und eine entsprechende Änderung der deutschen Honigverordnung im Juli 2015 wurde dieser Aspekt des Honig-Urteils des EuGH jedoch außer Kraft gesetzt. Jetzt gilt Pollen als natürlicher Bestandteil und nicht als Zutat von Honig. Dadurch werden als Lebensmittel zugelassene gentechnisch veränderte und nicht gentechnisch veränderte Pollen gleichgesetzt. Damit ist auch der Schutz der Imker vor gv-Organismen aufgehoben.     Das die Klagen koordinierende Bündnis zum Schutz der Bienen fordert ein umfassendes Verbot von Gen-Anbau. Thomas Radetzki, Sprecher des Bündnisses, meint: „Nur so wäre ein wirksamer Schutz gewährleistet. Die Bundesregierung sollte deshalb von der durch EU-Recht eröffneten Möglichkeit nationaler Anbauverbote Gebrauch machen und endlich klare Verhältnisse für Imker und Verbraucher schaffen.“ Dies forderte im Juli auch der Bundesrat.   gbr
Quelle: PM Mellifera e.V. vom 5.8.2015