Hessische Rarität bedroht – Lanzettblättrige Glockenblume

Gefährdet: die Lanzettblättrige Glockenblume. © Senckenberg
Gefährdet: die Lanzettblättrige Glockenblume.
© Senckenberg

Die Pflanze ist nur in zwei Gebieten Deutschlands – im hessischen Taunus und im Pfälzer Wald – zu finden und könnte in Zukunft von verwandten Arten verdrängt werden.

Senckenberg-Wissenschaftler haben den Artstatus der Lanzettblättrigen Glockenblume (Campanula baumgartenii) untersucht. In ihrer kürzlich im Fachjournal „AoB Plants“ veröffentlichten Studie kommen sie zu dem Schluss, dass es sich bei der Pflanze um eine eigene Art handelt, die zudem bedroht ist. Für Imker und Honigbienen sind Glockenblumen übrigens recht interessant, sie ergeben eine ordentliche Bienenweide mittlerer Qualität von Mai bis September. Für einige spezialisierte Wildbienenarten sind sie lebensnotwendig.

Für einen Laien ist die Lanzettblättrige Glockenblume nur sehr schwer von ihrer nahen Verwandten, der Rundblättrigen Glockenblume C. rotundifolia, zu unterscheiden – beide krautigen Pflanzen haben lilagefärbte Blüten, sind etwa gleich hoch und wachsen bevorzugt auf mageren Standorten. „Allein der unterschiedliche Wurzelwuchs ist ein verlässliches morphologisches Unterscheidungsmerkmal“, erklärt Kai-Uwe Nierbauer vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Im Taunus werden aber immer wieder Exemplare gefunden, deren Artzugehörigkeit unklar ist.“

Dies veranlasste den Frankfurter Botaniker und seinen Kollegen Dr. Juraj Paule sowie den Leiter der Senckenberg-Abteilung Botanik und molekulare Evolutionsforschung, Prof. Dr. Georg Zizka, den Artstatus der Pflanze zu untersuchen. Das Frankfurter Wissenschaftlerteam konnte durch eine genetische Analyse bestätigen, dass es sich bei der Lanzettblättrigen Glockenblume um eine eigene Art handelt. Die Pflanze mit den violetten Blüten ist eine lokale Besonderheit in der hessischen Flora: Erstmals vom Frankfurter Botaniker Johannes Becker beschrieben, findet man sie in Hessen nur an den Westhängen des Großen Feldberges. „Eine weitere Population gibt es in der Pfalz“, fügt Zizka hinzu und erläutert: „Aufgrund des kleinen Verbreitungsgebietes und der geringen Individuenzahl gilt die Pflanze als gefährdet. Seit der Aufnahme in ein Artenschutzprogramm in den Jahren 1998 bis 2000 wurden die hessischen Bestände aber als stabil angesehen.“

In ihrer Studie haben die Frankfurter Botaniker nun eine neue Bedrohung für die zwischen 40 und 90 Zentimeter hohe Pflanze ausgemacht: Sie fanden im Taunus Kreuzungen der Lanzettblättrigen mit der Rundblättrigen Glockenblume. „Erstaunlicherweise waren diese Mischformen nicht steril – es besteht die Gefahr, dass Campanula baumgartenii nach und nach durch diese Hybride verdrängt wird und wir dann eine Pflanzenart weniger in Hessen haben werden“, schließt Paule.

Quelle: https://idw-online.de/de/news668704 (Judith Jördens)