Internationale Bienenkonferenz in Berlin

Referenten und Moderatoren der Bienenkonferenz. Foto: K. Neumann
Referenten und Moderatoren der Bienenkonferenz. Foto: K. Neumann

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte gemeinsam mit dem Deutschen Imkerbund zu einer Internationalen Bienenkonferenz nach Berlin eingeladen, und etwa 500 Bieneninteressierte – Wissenschaftler, Imker/innen, Vertreter verschiedenster Organisationen, Vereine und Firmen, Journalisten aus dem In- und Ausland – trafen sich zu einer vortrefflich organisierten Mammutveranstaltung am 28./29. März im Mercure-Hotel in Moabit.

Wie Dr. Bernhard Url, der Leiter der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, es richtig ausdrückte, reicht es nicht mehr aus, die Auswirkungen einzelner möglicherweise bienenschädigender Faktoren zu betrachten, denn einzelne Wirkungen könnten sich addieren oder eine längerfristige Anwendung viel schädlicher sein als die getestete kurzfristige, gefordert sei vielmehr die Kooperation verschiedener Disziplinen ebenso wie eine internationale Zusammenarbeit. Und genau dazu traf man sich in Berlin.

Namhafte Wissenschaftler, u.a. aus Deutschland, Österreich, Estland, Großbritannien, Frankreich, Südafrika oder den USA, stellten in drei parallelen Sitzungen an zwei Tagen Forschungsergebnisse zu den Themenbereichen „Pathogene und Klima“, „Biodiversität und Ernährung“ sowie „Pflanzenschutzmittel und Umweltschutz“ vor. Da man nicht gleichzeitig in drei Räumen sein konnte, wurden am Ende die Inhalte aller drei Sessions zusammengefasst, sodass jeder letztlich doch recht gut informiert war. Zudem soll später ein Tagungsband ins Netz gestellt werden.

Mehrere Vortragende zeigten ganz deutlich den alarmierenden Artenschwund in der Pflanzen- und Tierwelt – gerade auch unter den Bestäubern – auf, und dies nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern weltweit. Und auch die Hauptursachen wurden klar benannt: der stetige Rückgang naturnaher Flächen, die Intensivierung der Landwirtschaft mit hohem Dünger- und Pestizideinsatz sowie Monokulturen, außerdem Krankheiten und Parasiten. All diese Faktoren wirken gleichermaßen auf Honigbienen wie wildlebende Insekten ein. Jedoch können bei ersteren die seit einigen Jahren periodisch auftretenden erhöhten Verluste dank des imkerlichen Einsatzes immer wieder ausgeglichen werden, sodass weltweit die Völkerzahlen sogar steigen. Wildbienen und Schmetterlinge hingegen leiden noch weit mehr unter Nahrungsmangel, Pestiziden und der Zerschneidung der Landschaft, und sie verfügen nicht über einen solchen Puffer wie die Honigbienen mit ihren großen Völkern. Dabei sind sie für die Bestäubung weltweit mindestens ebenso wichtig wie Honigbienen. Beide ergänzen sich perfekt.

Wir wollen keine solche Grüne Wüste, veranschaulichte der Präsident der Apimondia Philip McCabe mit diesem Bild. Foto: K. Neumann
Wir wollen keine solche Grüne Wüste, veranschaulichte der Präsident der Apimondia Philip McCabe mit diesem Bild. Foto: K. Neumann

Dass die Honigbiene durch das „weltweite Bienensterben“ aber so sehr ins öffentliche Interesse gerückt ist, könnte nun auch ihren wilden Verwandten zugute kommen. Denn angestrebte Verbesserungen, sei es durch die Anlage von Blühflächen, strengere Zulassungsregeln für Pestizide, deren reduzierten Einsatz etc., kämen beiden – Honigbienen und Wildinsekten – zugute. Hierfür wurden vielfältige Anregungen vermittelt, und es konnte auf Erfolge entsprechender Versuche oder Projekte verwiesen werden.

Dass das Bundeslandwirtschaftsministerium die Bienen mittlerweile als so wichtig und so gefährdet einstuft, dass eine derart kostspielige Veranstaltung stattfinden konnte, ist auf jeden Fall positiv. Auch, dass man den slowenischen Vorschlag für einen Weltbienentag unterstützen will, ist ein gutes Signal. Doch in der Hand gerade des Bundeslandwirtschaftsministeriums und seines Ministers Christian Schmidt liegt es, möglichst viele der angesprochenen Maßnahmen zum Bienenschutz auch umzusetzen bzw. sich in den entsprechenden Gremien auf EU-Ebene dafür einzusetzen. Betätigungsfelder gibt es reichlich, seien es die Neonicotinoide, Glyphosat oder gentechnisch veränderte Organismen oder einfach die verbesserte Förderung einer ökologischeren Landbewirtschaftung mit vernünftigen Fruchtfolgen, Mischkulturen, vielfältigen Habitatstrukturen und somit besseren Lebensbedingungen für Nützlinge. Derartiges muss in die GAP 2020, nachdem die letzte Argrarreform für die Bestäuber wenig gebracht hat!

Kerstin Neumann, Redakteurin

Presskonferenz anlässlich der Bienenkonferenz, v.l.n.r.: der slowenische Agrarminister Dejan Zidan, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der Leiter der EFSA Dr. Bernhard Url und D.I.B.-Präsident Peter Maske. Foto: K. Neumann
Presskonferenz anlässlich der Bienenkonferenz, v.l.n.r.: der slowenische Agrarminister Dejan Zidan, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, der Leiter der EFSA Dr. Bernhard Url und D.I.B.-Präsident Peter Maske. Foto: K. Neumann