Keine Beutenkäfer in der Schweiz gefunden!

– oder wie der Käfer zur Fliege wird…

Der Verdachtsfall des Kleinen Beutenkäfers Aethina tumidain in der Schweiz konnte nicht bestätigt werden.
Der Verdachtsfall des Kleinen Beutenkäfers Aethina tumidain in der Schweiz konnte nicht bestätigt werden. © Marc Schäfer

Am 28. März findet ein Imker zusammen mit dem informierten Bieneninspektor des Kantons Uri in einem toten Volk krabbelnde Maden. Sie vermuten das erste Vorkommen des Kleinen Beutenkäfers in der Schweiz und veröffentlichen auf der Seite des Schweizer Imkerverbandes VDRB eine Chronologie des sensationellen Fundes. Uri wird einen Tag später zum Sperrgebiet, und die Nachricht macht schnell die Runde und landet prompt auf vielen Homepages.

Die Nähe zum 1. April ließ zunächst einen schlechten Scherz vermuten. Weit gefehlt, wie unsere Recherchen ergaben: Tatsächlich waren Proben entnommen worden, allerdings steckte man noch mitten in den Untersuchungen. Es war also nur ein unbestätigter Verdacht – daher war Geduld gefordert und kein Zwang, die Meldung weiter zu verbreiten.
Gestern, am 2. April, dann die Entwarnung: Wie wir von der Schweizer Untersuchungsstelle in Bern erfuhren, handelt es sich bei dem Fund mit Sicherheit nicht um Maden des Kleinen Beutenkäfers.

Eigentlich hatten die Bilder in der Mitteilung des Kantons schon stutzig gemacht. Das sah nicht nach dem Kleinen Beutenkäfer, sondern eher nach Fliegenlarven aus. Aber die Bilder waren zu unscharf, um Genaues zu sehen. Vor einigen Monaten hatten wir einen ähnlichen Fall auf einem Bienenstand im Raum Freiburg im Breisgau. Zahllose Maden auf den Waben und auslaufendes fermentiertes Futter ließen Schlimmes – den Kleinen Beutenkäfer – vermuten. Wir, der Imker, der Bienensachverständige und ich, waren sehr aufgeregt, gingen dann aber doch systematisch und mit Ruhe vor. Die für Maden des Kleinen Beutenkäfers untypischen Bewegungen ließen erste Zweifel aufkommen. Die Analyse im Labor brachte dann Gewissheit: Es handelte sich um Fliegenlarven! Durch weitere Recherchen wurde die Ursache gefunden: In den Stallungen eines nahen Bauernhofes gab es immense Probleme mit Fliegen. Diese waren auch in die einige hundert Meter entfernten geschwächten Bienenvölker eingedrungen und hatten ihre Eier im Bereich der Brut abgelegt.

Es besteht also kein Grund zu panischem Handeln. Vieles kreucht und fleucht im Bienenvolk, ohne gefährlich zu sein. Man sollte erst die Bestätigung durch ein autorisiertes Labor abwarten, bevor man derartige Meldungen weltweit im Netz verbreitet, und erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn man sich ganz sicher ist.
Zwingend ist jedoch, Verdachtsfälle dem zuständigen Veterinäramt bzw. dem Bienensachverständigen anzuzeigen, da es sich beim Kleinen Beutenkäfer um einen in ganz Europa anzeigepflichtigen Schädling handelt.

Dr. Wolfgang Ritter Experte für Bienengesundheit der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) am CVUA Freiburg

Hintergrundinformationen zum Kleinen Beutenkäfer

Meldung des italienischen Gesundheitministeriums   Porträt des Kleinen Beutenkäfers vom Friedrich Löffler Institut und CVUA Freiburg (Autoren Dr. Marc Schäfer und Dr. Wolfgang Ritter)