Kirschessigfliege: Lage bleibt angespannt

Das unerwartete Auftreten der Kirschessigfliege im Land hat alle Beteiligten in Beratung, Forschung und die betroffenen Winzerinnen und Winzer in den vergangenen Tagen und Wochen stark gefordert. Bei der Bekämpfung steht der Bienenschutz ganz vorne.

„Wir verfolgen die Entwicklung genau“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde am Samstag, dem 6. September in Stuttgart, „die Landesregierung hat mit der Unterstützung von Parallelimporten und einer Verkürzung der Wartezeit für das Bekämpfungsmittel SpinTor die Grundlagen für eine optimierte Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln geschaffen, wo vorbeugende Maßnahmen versagen. Nun ist auch der Bund am Zug, um ergänzend das Mittel Piretro Verde als weitere Bekämpfungsmöglichkeit zuzulassen, das besonders für spätreifende Sorten noch wichtig werden kann.“

Bei allen Empfehlungen zur Bekämpfung ist der Bienenschutz besonders zu beachten. Die Maßnahmen gemäß Bienenschutzverordnung sind mit den örtlichen Imkerverbänden beziehungsweise den Landesverbänden abzustimmen und die Runden Tische „Bienenschutz“ zu informieren. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) empfiehlt Winzerinnen und Winzern dringend, im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit im Einzelfall direkt mit betroffenen Imkerinnen und Imkern Kontakt aufzunehmen. Das MLR hat am 18. August 2014 die nachgeordneten Behörden und die Forschungsanstalten über die notwendigen Bienenschutzmaßnahmen informiert.

„Ein besonderes Anliegen war es uns, die Imkerverbände von Anfang an eng einzubinden, da sowohl SpinTor als auch Piretro Verde bienengiftig sind und deshalb bei der Anwendung spezielle Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden müssen. Es ist erfreulich, dass alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiten, um den Weinjahrgang 2014 vor Schäden durch die Kirschessigfliege möglichst zu bewahren – ohne das Wohl der Bienen aus den Augen zu verlieren“, so Bonde. Nach dem aktuellen Kenntnisstand sind zur optimalen Bekämpfung der Kirschessigfliege vorbeugende Maßnahmen wie eine Entblätterung der Traubenzone und das Entfernen abgeschnittener Trauben aus dem Weinberg, gegebenenfalls zusammen mit dem termingerechten Einsatz von SpinTor, das am besten wirksame Verfahren.

Hintergrundinformationen: Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg hat auf Basis des § 22 Pflanzenschutzgesetz eine Kombination des Insektizids SpinTor mit dem Köder combi-protec genehmigt. Die Ausbringungsmenge von SpinTor kann durch den Einsatz von combi-protec auf bis zu 5 Prozent der ursprünglichen Aufwandmenge reduziert werden. Für diese Kombination wurde die Wartezeit nach Ausbringung von 14 auf 7 Tage verkürzt.

Zusätzlich hat die Landesverwaltung die Anträge beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von Handelsunternehmen zum Parallelimport von Produkten mit demselben Wirkstoff aus dem Ausland begleitet und unterstützt. Aufgrund der großen Nachfrage nach dem zugelassenen Handelsprodukt SpinTor kam es in den letzten Wochen zu Lieferengpässen. Nach aktuell vorliegenden Informationen wurde die Verfügbarkeit inzwischen durch den Hersteller verbessert. Damit kann die Kirschessigfliege nach guter fachlicher Praxis mit SpinTor und combi-protec bekämpft werden.

Die Weinbauverbände bemühen sich derzeit um eine Notfallzulassung nach für die Indikation Kirschessigfliege für das im Weinbau gegen Traubenwickler bereits zugelassene Handelsprodukt Piretro Verde beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), da dieses Mittel nur einen Tag Wartezeit hat und somit auch in spätreifenden Sorten eingesetzt werden könnte. Die Entscheidung der zuständigen Bundesbehörde ist abzuwarten. Eine Anwendung des Mittels gegen die Kirschessigfliege ist derzeit pflanzenschutzrechtlich nicht zulässig. Das Mittel Piretro Verde hat wie Spintor eine B1-Auflage (bienengefährlich).

Derzeit führen die beiden Weinbauanstalten des Landes in Freiburg und Weinsberg umfassende Versuche zu den Möglichkeiten der Bekämpfung der Kirschessigfliege durch. Weiterhin ist geplant, im Verbund der weinbautreibenden Bundesländer und den Kollegen aus Südtirol zeitnah nach Abschluss der Auswertung des Jahres 2014 einen Erfahrungsaustausch zum Umgang mit diesem neuen Schaderreger durchzuführen. Hierzu sollen auch die Erfahrungen aus dem Obstbau einbezogen werden.

Quelle: PM Nr. 172/2014 des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR)