Kirschessigfliege: Neue Strategien

Im Jahr 2015 kam es wegen des heißen trockenen Sommers nicht zur befürchteten Massenvermehrung der Kirschessigfliege. In diesem Jahr könnte das regnerische Frühsommer-Wetter die Ausbreitung wieder begünstigen.

Himbeeren Marc F. Schetelig
Himbeeren
Marc F. Schetelig

Da herkömmliche Methoden zunehmend versagen, entwickeln Fraunhofer-Forscher neue Strategien gegen Schadinsekten – frei von umweltschädlichen Giften und artspezifisch. Prof. Marc F. Schetelig ist Experte für Sterile Insektentechnik, kurz SIT, die durch massenhafte Freisetzung steriler Männchen die Population von Schadinsekten dezimiert. Mit seiner Forschungsgruppe entwickelt er Methoden, um die Effektivität der Sterilen Insektentechnik zu steigern und einen Transfer der Technik auf weitere Schädlinge zuzulassen.

Am weitesten gediehen sind seine Arbeiten mit der Kirschessigfliege, Drosophila suzukii, die aus Südostasien stammt und sich weltweit ausbreitet. Die Weibchen legen kurz vor der Ernte ihre Eier in die reifen Früchte, wenn die Bauern in der Regel nicht mehr mit Insektiziden spritzen dürfen. Somit umgeht die Fliege auch wirksame Insektizide, und eine effektive Bekämpfungsstrategie ist nicht auf dem Markt. Prof. Schetelig hat ein genetisches System konstruiert. Es bewirkt, dass die Nachkommen der Fliegen bereits im Embryonalstadium sterben. Wenn sich männliche Fliegen, die dieses System tragen, mit den natürlich vorkommenden Weibchen paaren, schlüpfen aus den befruchteten Eiern keine Larven.

Das genetische System enthält aber auch einen Schalter, mit dem sich das Programm ausschalten lässt. Dieser Schalter kann durch Füttern des Antibiotikums Tetrazyklin umgelegt werden. Durch Tetrazyklin-haltiges Futter lässt sich der Fliegenstamm im Labor züchten und weiter vermehren. „Die neu entwickelten Systeme haben im Gegensatz zu anderen verfügbaren genetischen Systemen den Vorteil, dass kein Antibiotikum für die Larven benötigt wird und man nur geringe Mengen für die erwachsenen Fliegen verwenden muss. Somit gelangt kein Antibiotikum in die Umwelt“, sagt Schetelig.

Bei aller Hoffnung, die Schetelig in die neue Technologie setzt, hat er auch die Risiken der Freilassung transgener Insekten im Blick. In einem Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy Noether-Programms gefördert wird, untersucht er zum Beispiel, wie stabil die fremden Gene in das Erbgut integriert sind und was passiert, wenn andere Tiere die genetisch veränderten Fliegen fressen. „Da wir die Männchen vor der Freilassung zusätzlich durch radioaktive Bestrahlung sterilisieren, sind wir überzeugt davon, dass sie sich nicht vermehren“, verdeutlicht Schetelig.

Quelle: PM-idw: Neue Strategien gegen Mücken und weitere Schädlinge (Britta Widmann)

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