Kleiner Beutenkäfer in Italien etabliert?

Wie wir bereits am 14. September gemeldet haben, gab es in Italien einen Fund des Kleinen Beutenkäfers. Nach verschiedenen Besprechungen mit den in Italien und in der EU zuständigen Gesundheitsexperten beschreibt Dr. Wolfgang Ritter die aktuelle Situation und gibt eine Einschätzung zum Umgang mit dem Parasiten unter unseren Verhältnissen.

Der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida)
Der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) © CVUA-Freiburg

Am 5. September fand man in drei Ablegern in der Nähe des Hafens Gioia Tauro in der Provinz Reggio Calabria Käfer und Larven des Kleinen Beutenkäfers. Am 11. September bestätigte das Europäische Referenzlabor den Befund und damit das erste Auftreten des Kleinen Beutenkäfers (Aethina tumida) in Bienenvölkern in Europa. Bereits 2004 war der Käfer in Portugal aufgetreten, allerdings fand man damals nur Käfer und Larven in den Transportkäfigen von importierten Königinnen. Damals konnte man den Fall schnell tilgen.

Versuche zur Eindämmung

Die italienische Veterinärbehörde hat entsprechend den Vorgaben der EU das Gebiet im Umkreis von 20 km zum Sperrgebiet und 100 km um den erkannten Stand zur Überwachungszone erklärt. Im Umkreis von 20 km werden auf allen Bienenständen mindestens die Hälfte der Völker visuell und mit speziellen, am CVUA Freiburg entwickelten Käferfallen untersucht. Im restlichen Gebiet werden stichprobenartige Untersuchungen durchgeführt. Die Untersuchungen haben erst begonnen. Bis zum 23. September fand man auf 5 weiteren Ständen im Umkreis von 2 km den Kleinen Beutenkäfer. Alle Völker werden abgetötet. Der Boden am Bienenstand wird desinfiziert, um auch die möglicherweise darin vergrabenen Käfer-Puppen zu töten.

Wege der Verbreitung

In dem zu untersuchenden Gebiet stehen ganzjährig insgesamt etwa 20.000 Bienenvölker. Weitere mindestens 20.000 Völker wandern von April bis September während der Blüte von Orangen, Kiwi, Kastanien und Eukalyptus in das Gebiet ein. Die Völker kommen vorwiegend aus Apulien und Sizilien. Es gibt jedoch Hinweise, dass sich auch Völker aus anderen Regionen und aus anderen Ländern, insbesondere zur besseren Frühjahrsentwicklung, in dem Gebiet aufgehalten haben sollen.
Der Weg der Einschleppung ist immer noch unbekannt. In dem in unmittelbarer Nähe gelegenen Hafen werden vor allem Container aus Übersee auf kleinere Schiffe verladen. Bienenschwärme in Containern waren schon früher häufig der Weg der Verbreitung von Krankheiten und auch des Kleinen Beutenkäfers. Trotzdem bleibt offen, ob der Käfer nicht woanders eingeschleppt wurde und der Befall nur wegen der sehr schwachen Ableger zufällig auf dem Bienenstand sichtbar wurde. Dies werden erst weitere Umgebungsuntersuchungen, insbesondere von Bienenvölkern in größerer Entfernung, ergeben.

Kein Grund zur Panik

Auch wenn noch nicht sicher ist, ob sich der Kleine Beutenkäfer in der Region in Italien etabliert hat und eventuell schon weiter verbreitet ist, sollten wir diesbezüglich Ruhe bewahren. In unserem gemäßigten Klima mit kalten Wintern hat der Käfer kaum eine Chance, wesentliche Schäden anzurichten. Wie die Beispiele in Australien, Kanada und den USA zeigen, kann er nur wenige Generationen im Jahr bilden, und nur wenige Käfer überleben den Winter in der Wintertraube. Nach bisherigem Kenntnisstand wäre es allein mit einer guten imkerlichen Praxis möglich, bei uns den Käfer in Schach zu halten. Dazu gehört es, schwache Völker nicht zu dulden und Honigwaben möglichst schon am nächsten Tag zu schleudern.

Über die weitere Entwicklung halten wir Sie auf dem Laufenden.
Dr. Wolfgang Ritter; ritter@bienengesundheit.de