Kommt das Verbot der Neonicotinoide?

Die EU-Kommission hat nach Medienberichten ein unbefristetes und nahezu vollständiges Verbot dreier bienengefährdender Pestizide vorgeschlagen.

Wir brauchen gesunde Bienen Foto: Gilbert Brockmann
Wir brauchen gesunde Bienen
Foto: Gilbert Brockmann

Die sogenannten Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam sollen demnach außerhalb von Gewächshäusern verboten werden. Mitte Mai sollen die EU-Mitgliedsstaaten über den Vorschlag abstimmen. Es kommentiert Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff: „Endlich wird die Kommission aktiv und will den Einsatz bienengefährdender Pestizide in der Landwirtschaft streng begrenzen. Konsequent wäre ein umgehendes Totalverbot dieser Bienenkiller. Auch Landwirtschaftsminister Schmidt muss handeln und die Gifte in Deutschland sofort vom Markt nehmen. Über Jahre hinweg hat die Beweislast zugenommen, dass Neonicotinoide Bienen und andere Tierarten töten. Gesunde Bestäuber sind jedoch entscheidend für gesunde Ökosysteme und Lebensmittelproduktion. Wir brauchen dringend einen Kurswechsel in der Landwirtschaft, wenn wir die Artenvielfalt retten wollen.“
Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der Grünen, und Martin Häusling, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament erklären:

„Es ist ein Meilenstein für den Bienenschutz, wenn die EU-Kommission tatsächlich ein vollständiges Verbot der Neonicotinoide vorschlägt. Angesichts des anhaltenden Insektensterbens muss die Kommission die Notbremse ziehen. Agrarminister Schmidt sollte jetzt zusammen mit Frankreich ein solch umfassendes Verbot auf EU-Ebene unterstützen und durchsetzen. Angesichts der erdrückenden wissenschaftlichen Beweislast hunderter Studien, die eine Gefährdung für Honig- und Wildbienen, andere Insekten und weitere Tiergruppen belegen, müssen die Neonicotinoide vom Markt. Dies muss auch für alle Wirkstoffe gelten, die bislang nicht von Beschränkungen erfasst sind, insbesondere Thiacloprid und Acetamiprid. Die bisherigen Teilverbote für vier Wirkstoffe werden dem Gefahrenpotential dieser Wirkstoffgruppe nicht gerecht und haben in Deutschland auch nicht zu einer verringerten Gesamteinsatzmenge der Neonicotinoide geführt.

Das geplante Verbot ist die konsequente Anwendung des Vorsorgeprinzips – auch im Interesse der Landwirtschaft selbst, die auf Bestäuber und andere Nützlinge wie die ebenfalls gefährdeten Schlupfwespenarten angewiesen ist. Es reicht nicht, nur die erste Generation der Neonikotinoide im Blick zu haben. Auch neuere Wirkstoffe wie Cyantraniliprol, Flupyradifuron und Sulfoxaflor verfügen über den gleichen Wirkmechanismus. Laut der EU-Risikobewertungsbehörde EFSA können auch für diese Substanzen Risiken für Bestäuber und andere Gliederfüßer nicht ausgeschlossen werden.

gbr

Quelle: PM Martin Häusling vom 24.3.2017