Natürlich süß!

Von der Universität Hohenheim kommt süße Nachricht. Dort bringt ein Agrarwissenschaftler ein naturbelassenes Stevia-Süßungsmittel zur Marktreife – und bietet damit Landwirten eine Perspektive, die bisher vom Tabakanbau leben. Für diesen gibt es nämlich ab 2014 keine Subventionen mehr. Die EU fördert das Forschungsprojekt Stevia mit über 2,3 Millionen Euro.


Der US-Lebensmittelriese Cargill hingegen will den Stevia-Süßstoff Steviolglykosid künftig aus genmanipulierten Hefen gewinnen, die mit dem Süßkraut aus Südamerika nichts mehr zu tun haben. Das neuartige Verfahren ist hocheffizient: Eine einzige Fabrikhalle könnte die gesamte derzeitige Stevia-Anbaufläche auf der Welt überflüssig machen. Die Herstellung ist sehr kostengünstig: Der Preis könnte von derzeit bis zu 180 Euro pro Kilogramm auf unter zehn Euro fallen. Bis 2020 will Cargill 20 Prozent der weltweiten Süßungsmittel-Nachfrage abdecken.     Seit Ende 2011 sind Steviolglykoside als Lebensmittelzusatzstoff (E960) zugelassen. Steviolglykoside sind ca. 200mal süßer als Zucker. Sie machen nicht dick, weil sie keine Kalorien enthalten und verursachen keine Karies. Auch in Deutschland greifen immer mehr Menschen zu Produkten, die Steviolglykoside enthalten, welche durch ein chemisches Verfahren aus der Pflanze Stevia rebaudiana hergestellt werden. Sie produziert süßschmeckende Substanzen, die Steviolglykoside. Ursprünglich stammt die Stevia-Pflanze aus Paraguay.     „Durch das neue Herstellungsverfahren aus genmanipulierten Hefen werden Stevioglykoside endgültig zu einem reinen Kunstprodukt ohne jeden Bezug zur Natur“, erklärt Dr. Udo Kienle vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim. „Dabei legen 40 Prozent der Verbraucher wert auf naturnahe Lebensmittel.“ Als Gegenentwurf will der Forscher ein naturbelassenes, kalorienarmes Süßungsmittel aus dem Süßkraut Stevia rebaudiana zur Marktreife bringen.     „Wenn man einen Landwirt dazu bringen will auf eine andere Kulturpflanze umzusteigen, muss man ihm verlässliche Ertragsprognosen liefern“, sagt Dr. Kienle. Deshalb baut der Forscher Stevia seit vielen Jahren versuchsweise auf Feldern in verschiedenen europäischen Mittelmeerstaaten an und erfasst, wie hoch die Ernteerträge ausfallen und ob sie über die Jahre einigermaßen konstant bleiben. Diese Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen landwirtschaftlichen Tabakanbaukooperativen aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien durchgeführt. Dort soll ab 2016 der großflächige Anbau starten und die kalorienarme Natursüße auf Basis von Stevia rebaudiana hergestellt werden.     „Wer in der EU ein neues Lebensmittel auf den Markt bringen will, muss sehr hohe Sicherheitsstandards einhalten“, erklärt Dr. Kienle. Dazu gehöre auch ein Nachweis über die gesundheitliche Unbedenklichkeit. „Ich bin mir zwar absolut sicher, dass Stevia harmlos ist, aber es fehlt eben noch der endgültige Nachweis dafür.“ Den sollen Ratten liefern. Sie leben in Laboren in Bologna und Posen und bekommen das naturbelassene Stevia-Süßungsmittel zu fressen. „Die Projektpartner untersuchen die Tiere hinterher auf Tumore und beleuchten, ob Stevia die Aufnahme von Vitaminen, Spurenelementen und anderen Mikronährstoffen hemmt“, erklärt Dr. Kienle. Erst wenn die Wissenschaftler beides ausschließen können, ist die Unbedenklichkeit des Stevia-Süßungsmittels bewiesen.     Bis 2016 soll das naturbelassene Süßungsmittel aus der Stevia-Pflanze marktreif sein. gbr

Quelle: Universität Hohenheim, Text: Weik/Klebs Kontakt: Dr. Udo Kienle, Universität Hohenheim, Fachgebiet Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme, Tel.: 0711/459 22845, E-Mail: u-kienle@uni-hohenheim.de   Weiter Informationen unter: https://stevia.uni-hohenheim.de/80802