Nektarklau durch die Hintertür

Wie lernen Hummeln Löcher an der richtigen Stelle in bestimmte Blüten zu beißen?

  Um an den begehrten Nektar in Blüten mit tiefen Kelchen heranzukommen, benutzen Hummeln ihren langen Saugrüssel. Bei manchen Blüten ist der Weg zum Nektar am Grunde des Blütentrichters oder in den Nektartaschen (Falten der Kronblätter) jedoch versperrt. Um dennoch an den Nektar zu gelangen, beißen Hummeln kleine Löcher seitlich in die Blütenkelche. Wie man das macht, schauen sie sich bei anderen Hummeln ab. Das haben englische Wissenschaftler nun im Rahmen einer Studie in den Schweizer Alpen an Blüten des Kleinen Klappertopfs (Rhinanthus minor) beobachtet. Die Hummeln (Bombus wurflenii, Bombus lucorum) merken sich offensichtlich genau, auf welcher Seite die Kolleginnen Nebeneingänge in die Blüte gebissen haben. War die erste Hummel eine „Linkshänderin“, bevorzugen sie diese Seite ebenfalls zum Nektarklau. Mit diesem Wissen überwintern sie und stechen auch im darauffolgenden Jahr die Blüten von der erlernten Seite an. So lernen Hummeln voneinander, an welcher Stelle sie jeweils den Zugang beißen müssen, um auch bei Pflanzen mit anderen Blütenformen zielsicher an Nektar zu gelangen.   Dr. Heike Ruff    Quelle: Goulson Det al: Social learning drives handedness in nectar-robbing bumblebees; Behavioral Ecology and Sociobiology; July 2013, Volume 67, Issue 7, pp 1141-1150; DOI: 10.1007/s00265-013-1539-0