Neonicotinoide: Fragwürdige Rechnung

Mindestens zehn Prozent mehr Ertrag auf unseren Feldern versprechen Neonicotinoide. Dennoch hat die EU-Kommission den Einsatz dieser weltweit häufigsten Insektenbekämpfungsmittel für zwei Jahre ausgesetzt. Denn sie stehen unter dringendem Verdacht, hauptverantwortlich für das weltweite Bienensterben und vieler weiterer ökologischer Schäden zu sein.

Der Einsatz von Neonicotinoiden: Eine Garantie für Nahrungsmittelsicherheit oder ökologisch und ökonomisch unsinnig?
Der Einsatz von Neonicotinoiden: Eine Garantie für Nahrungsmittelsicherheit oder ökologisch und ökonomisch unsinnig? © Gilbert Brockmann

Das Moratorium gefährde die Nahrungsmittelsicherheit, sagen Kritiker. Aktuelle Studien beweisen jedoch das Gegenteil: Der Einsatz dieser Insektizide ist sowohl aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht unsinnig. „Auch wenn man es rein gesamtwirtschaftlich betrachtet, ist die Rechnung fragwürdig“, so Matthias Liess, Ökotoxikologe vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. „Denn Honigbienen sind das drittwichtigste Nutztier der Menschheit.“ Der ökonomische Gesamtwert allein für die Bestäubungsleistung durch Honigbienen wird für Europa auf 15 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Dieser Wert ist damit fünfmal höher als der im Auftrag von Syngenta und Bayer ermittelte wirtschaftliche Nutzen der bienengefährlichen Neonicotinoide.

„Ein Verbot der Neonicotinoide bedeutet einen Verlust von mindestens zehn Prozent auf unseren Feldern. Ein echtes Risiko für die Nahrungsmittelsicherheit“, hält Harald von Witzke dagegen. „Bis 2050 wird sich der Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit verdoppeln. Diesen können wir nur mit Neonicotinoiden decken.“ Von Witzke ist Agrarökonom und Mitglied des Humboldt Forum for Food and Agriculture (HFFA), das in einem Bericht den Wert von Neonicotinoiden untersucht hat. Schon jetzt würde die EU große Mengen an Nahrungsmitteln importieren. Er könne daher angesichts der vielen, durch die HFFA-Studie nachgewiesenen Vorteile nicht nachvollziehen, dass die EU-Kommission den Neonicotinoiden eine solche Galgenfrist setzt.

Ökotoxikologe Liess: „Laut Welternährungsorganisation FAO landen jedes Jahr weltweit ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Hier liegt das drängende Problem, nicht in zu geringen Erträgen.“ Auch hinsichtlich der EU-Importe von Nahrungsmitteln müsse man hinter die Zahlen schauen. Denn die EU führt nicht nur Nahrungsmittel ein, sondern exportiert diese auch in ähnlich großem Umfang – vor allem Getreide, Milch und Fleisch. Zudem gäbe es umweltverträglichere Pflanzenschutzmittel, die auch für hohe Erträge sorgen.
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gbr