Neonicotinoide im Boden: Weniger Schädlinge, weniger Ertrag?

KM-HP-Neonikotinoide im Boden
Springschwänze (hier Protaphorura armata) spielen eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf des Bodens. Foto: U. Burkhardt, CC BY-SA 3.0

Ab 19. Juli debattiert der EU-Rat über ein Totalverbot der drei meistverwendeten Neonicotinoide. Die Begründung lautet: schädliche Wirkung auf Bienen. Doch während sich alle um die fleißigen Helferlein und deren Bestäubungsleistung sorgen, findet ein Lebensraum kaum Beachtung: Der Boden. Denn der größte Teil des Giftes bleibt dort, wo sich normalerweise eine riesige Zahl von Insekten und anderen Organismen um die Bodenfruchtbarkeit kümmert. Und das hat Folgen. Studien weisen darauf hin, dass Neonicotinoide die Leistungen der Arten so reduzieren können, dass sogar der landwirtschaftliche Ertrag leidet.

Ein umfassender, abwägender Beitrag von Sebastian Tilch am 12. Juli 2017 im NeFo, Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung in Deutschland:

http://www.biodiversity.de/produkte/aktikel/neonikotinoide-im-boden

Zitate:

„Mindestens zehn Prozent Mehrertrag stellen die Hersteller der Neonikotinoide den Landwirten in Aussicht – ein Versprechen, das offenbar nicht grundsätzlich einzuhalten sein dürfte. Im Gegenteil: Vermutlich hätte ein vollständiges Verbot von Insektiziden wie Neonikotinoiden kaum Ertragseinbußen zur Folge.“

„Entsprechend sieht Europaparlamentarier Martin Häusling in dem nun von der Kommission vorgeschlagenen Totalverbot von Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin lediglich einen Anfang. Denn es sind bereits weitere Stoffe wie Thiacloprid und Acetamiprid auf dem Markt. Außerdem warte die Industrie auf die Zulassung ihrer Weiterentwicklungen wie Cyantraniliprol, Flupyradifuron und Sulfoxaflor mit dem gleichen Wirkmechanismus.“

„Wir vergiften Insekten mit Insektiziden und wundern uns, dass die Vergiftungen wirken“, fasst Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit an der Universität Bern die Situation zusammen.