Nicht nur Bienen bestäuben, auch Vögel

Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern gehören zu den raffiniertesten Interaktionen der Natur. Nun gelang Wiener Forscherinnen in Südamerika der Nachweis eines außergewöhnlichen, bisher unbekannten Vogelbestäubungssystems.

Ein Weißbrauen-Buschtangar
Ein Weißbrauen-Buschtangar © Florian Etl

Die Mehrheit der etwa fünftausend Arten der Pflanzenfamilie Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) wird von Bienen bestäubt, nur bei etwa einhundert Arten sind andere Bestäuber wie Käfer, Fliegen oder Kolibris bekannt. Das Wissenschaftsteam der Universität Wien mit Agnes Dellinger u.a. konnte bei seiner Feldarbeit in Südamerika nun überraschenderweise Sperlingsvögel (Tangare) als Blütenbesucher der Gattung Axinaea beobachten.

„Wir waren erstaunt, dass die Vögel nicht, wie bei den meisten anderen von Vögeln bestäubten Pflanzen, Nektar trinken, sondern die Staubblätter von Axinaea fressen“, so die Botanikerin Agnes Dellinger. Die Vögel werden von den auffällig gefärbten, zuckerreichen Anhängseln der Staubblätter zu den Blüten gelockt. Wenn sie ein solches Anhängsel mit dem Schnabel packen, aktivieren sie ein Blasebalg-Organ im Staubblatt und werden von einer Pollenwolke eingestäubt. Dabei bleibt Pollen am Schnabel und Kopf des Vogels haften. Steckt der Vogel seinen Schnabel erneut in eine Blüte, um ein weiteres Staubblatt herauszulösen, berührt er dabei zwangsläufig das rezeptive weibliche Organ (Narbe) und führt so die Bestäubung durch.

Während die meisten vogelbestäubten Pflanzen Nektar anbieten, belohnt Axinaea ihre Bestäuber mit nahrhaften, zuckerreichen Futterkörperchen. Die Studie zum Bestäubungssystem von Axinaea ist auch hinsichtlich der evolutionären Entwicklung von Blüte-Bestäuber-Beziehungen bedeutsam, da sie ein weiteres Beispiel für einen Übergang von Bienen- zu Vogelbestäubung darstellt.

Das Foto zeigt einen Weißbrauen-Buschtangar (Chlorospingus pileatus), der ein soeben aus der Blüte von Axinaea costaricensis herausgelöstes Staubblatt im Schnabel hält.   Quelle und genauere Infos: http://idw-online.de/de/news594876   gbr