Ökosystem Wiese schwindet

Intensivierung der Mahd führt zu eintöniger Landschaft. Informationen über mehr als 4.000 Arten zusammengetragen.
Keulhornblattwespe Corynis obscura in Storchschnabel-Blüte. Gilbert Brockmann
Keulhornblattwespe Corynis obscura in Storchschnabel-Blüte.
Gilbert Brockmann

Wiesen gehören seit vielen Jahrhunderten zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft. In den vergangenen Jahren hat sich das allerdings dramatisch geändert. Zwar sind viele Wiesen – oder Grünländer, wie die Fachleute sagen – immer noch sehr artenreich, aber sie werden sich untereinander immer ähnlicher. Mit der damit verbundenen Verarmung der regionalen Vielfalt von Grünländern beschäftigt sich eine jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ publizierte Studie, an der auch der Gießener Tierökologe Prof. Dr. Volkmar Wolters und Prof. Dr. Hartmut Arndt vom Institut für Zoologie der Universität zu Köln mit ihren Teams beteiligt sind.

© NABU/Peter Kühn
Waldkauz, Vogel des Jahres 2017.
© NABU/Peter Kühn
In der Biodiversitätsforschung war es bislang üblich, dass sich die Wissenschaft auf den Artenreichtum einzelner Lebensräume konzentrierte und diesen dann für ihre weiteren Analysen verwendete. Dabei wurde übersehen, dass es gerade die kleinen Unterschiede zwischen den Gemeinschaften scheinbar gleicher Lebensräume sind, die die Artenvielfalt einer Region ausmachen. So wurde auch der Biodiversitätsverlust durch die großflächige Vereinheitlichung unserer Wiesen-Ökosysteme erst jetzt wissenschaftlich nachgewiesen. Für die jetzt veröffentlichte Studie hat ein Team von rund 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit weltweit einmaligem Aufwand Informationen über mehr als 4.000 Arten – von Einzellern im Boden bis zu Vögeln – zusammengetragen.Das Ergebnis: Wo Menschen Grünlandflächen intensiver bewirtschaften, nimmt nicht nur die Artenvielfalt ab, sondern die Landschaft wird eintöniger. Hauptursache ist die Intensivierung der Mahd. Schließlich bleiben überall die gleichen Arten übrig. „Extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen sind zum Schutz der Artenvielfalt unerlässlich, weil mit dem Rückgang der Artenvielfalt auch die Interaktionen zwischen einzelnen Arten zurückgehen“, erklärt der Kölner Professor Hartmut Arndt. Und Erstautor Martin M. Gossner von der TU München erläutert: „Schon bei einer moderaten Bewirtschaftung reduzieren sich die Artengemeinschaften überregional auf die gleichen, wenig anspruchsvollen Generalisten“. Und Prof. Wolters ergänzt: „Darum müssen wir unbedingt gering bewirtschaftete Grünländer schaffen, erhalten und schützen.“
© SNSB-ZSM
Keulhornblattwespe Corynis obscura in Storchschnabel-Blüte.
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G. Brockmann
G. Brockmann

Quelle und mehr: https://idw-online.de/de/news665041 (Caroline Link)

Siehe auch: https://idw-online.de/de/news665016 (Gabriele Rutzen)