Pestizide: In Kombination besonders schädlich

Insektizide der Gruppe Neonicotinoide wirken als Nervengift nicht nur gezielt gegen Schädlinge. Frühere Studien belegen, dass sie bereits in geringen Mengen auch die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Bienengehirn stören. Kognitive Fähigkeiten (wie schmecken, riechen, erlernen oder erinnern) werden offensichtlich ebenso beeinträchtigt wie das Sammelverhalten der Bienen. Sogar physiologische Funktionen wie die Thermoregulation oder Muskelaktivität können gestört sein. Was sich im Bienenhirn tatsächlich abspielt, erklären nun Neurobiologen aus Großbritannien. Neonicotinoide (Imidacloprid und Clothianidin) blockieren offensichtlich spezielle Nervenzellen (Kenyon-Zellen) im Gehirn der Bienen, die für kognitive Leistungen wie Gedächtnis und Lernen zuständig sind. Dadurch wird die Weiterleitung von Signalen verhindert. Dieser Effekt zeigt sich bereits bei solchen Konzentrationen, mit denen Bienen auch in der Natur in Kontakt kommen. Oder im Bienenstock. Denn auch Organophosphate (Coumaphos), die gegen Varroamilben eingesetzt werden, beeinträchtigen die regelrechte Übertragung der Impulse. Was passiert, wenn die Bienen beiden Substanzen gleichzeitig ausgesetzt sind, zeigten nun britische Forscher der Universität Newcastle. Wirken Neonicotinoid und Organophosphat in Kombination auf die Nervenzellen, verstärken sich deren Effekte auf die Informationsverarbeitung im Bienengehirn noch. Die Wirkungen summieren sich, Lern- und Erinnerungsfähigkeiten der Bienen werden somit noch stärker beeinträchtigt.   Dr. Heike Ruff   Quellen:   Williamson SM and Wright GA: Exposure to multiple cholinergic pesticides impairs olfactory learning and memory in honeybees; J Exp Biol jeb.083931; 2013, doi:10.1242/jeb.083931   Palmer MJ et al: Cholinergic pesticides cause mushroom body neuronal inactivation in honeybees. 2013, Nature Communications. 4:1634; doi:10.1038/ncomms2648.