Schwindende Pflanzenwelt von Baden-Württemberg

Unter Federführung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart erfassen mehr als 180 Ehrenamtliche zum zweiten Mal alle Pflanzen in Baden-Württemberg. Forscher des Naturkundemuseums können so die Auswirkungen des Klimawandels und des Menschen auf die regionale Pflanzenwelt erforschen. Zahlreiche gefährdete Arten nehmen weiterhin ab. Neue, wärmeliebende Pflanzen breiten sich aus.

Der geschützte Frauenschuh wird in heimischen Wäldern immer seltener.
Der geschützte Frauenschuh wird in heimischen Wäldern immer seltener. © Mike Thiv.

Eine erste Erfassung aller Pflanzenarten Baden-Württembergs erfolgte vor Jahrzehnten. Derzeit läuft eine neue Phase der sogenannten Floristischen Kartierung des Landes. In akribischer Arbeit werden – Rasterfeld für Rasterfeld – die Standorte von Pflanzen im ganzen Land vermerkt. Das lässt vergleichende Aussagen über die sichtbaren Änderungen der Pflanzenwelt in Baden-Württemberg in den letzten Jahrzehnten zu. Die Botaniker Dr. Arno Wörz und Dr. Mike Thiv vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart (SMNS) stellen in einer vergleichenden Studie eine Reihe von Tendenzen und Veränderungen fest.

Viele heimische Arten, die schon seit langem auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten stehen, nehmen weiterhin kontinuierlich ab. Beispiele hierfür sind Frauenschuh, Arnika, Bärlappe, Lungenenzian oder Fleischfarbenes Knabenkraut. Gleichzeitig nehmen neue Arten, die aus anderen Ländern stammen, kontinuierlich zu. Diese sogenannten Neophyten wachsen meist an stark vom Menschen beeinflussten Stellen wie in Städten, an Parkplätzen, auf Bahnschotterflächen oder Straßenrändern. Eine starke Ausbreitung ist beispielsweise für das aus Südafrika stammende Schmalblättrige Greiskraut oder das Indische Springkraut erkennbar.

Wodurch werden diese Veränderungen der Pflanzenwelt verursacht? Der Klimawandel spielt hier eine wichtige Rolle. Aber gibt es auch noch weitere Faktoren? „Naturschutzmaßnahmen sollten sich neben dem Klimaschutz auch auf den Flächenverbrauch und Nährstoffeinträge konzentrieren. Sonst bleibt zwischen Überdüngung, Bautätigkeit und Klimawandel für seltene heimische Pflanzen nur noch wenig Platz“, so der Botaniker Dr. Mike Thiv. Das Projekt wird vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg unterstützt.

Quelle und mehr Details: https://idw-online.de/de/news644445 (Meike Rech)