Warum kehren Honigbienen nicht mehr heim?

Seit Jahren verschwinden Honigbienen in den USA und Europa ohne erkennbare Krankheiten oder Parasiten. Für dieses CCD (Colony Collapse Disorder) genannte Bienensterben werden Pathogene, Parasiten und die Agro-Chemie verantwortlich gemacht. Nun gibt es eine weitere Erklärung: Starke Sonnenwinde ändern das Magnetfeld der Erde und verstören die Bienen.

Die Magnetosphäre schirmt die Erdoberfläche von den geladenen Partikeln des Sonnenwindes ab.
Die Magnetosphäre schirmt die Erdoberfläche von den geladenen Partikeln des Sonnenwindes ab. © NASA

Die Forschungsplattform HOBOS zeichnet rund um die Uhr mit Kameras und Sensoren das Verhalten von zwei Bienenvölkern in Würzburg und Bad Schwartau auf. Alle Videos und Messwerte sind live und gespeichert auf www.hobos.de einsehbar und lassen sich für gewünschte Messzeiträume miteinander in Beziehung setzen, um das eigene Wissen zu erweitern. Ein amerikanisch-deutsches Forscherteam hat die HOBOS-Datenbasis analysiert, die u.a. die Ein- und Ausflugaktivität eines Bienenvolkes im Minutentakt festhält. Das Zusammenführen der HOBOS-Flugdaten mit ebenfalls dem Internet entnommenen Satellitendaten über Stürme auf der Sonne, den sogenannten Sonnenwinden, hat gezeigt: An Tagen hoher Sonnwindaktivität und in den Tagen danach gehen signifikant mehr Sammelbienen im Feld verloren als an anderen Tagen. Die Idee, die Sonnenwind-Daten mit den HOBOS-Daten zu verbinden, stammt von dem amerikanischen Biologen Tom Ferrari.

Der Sonnenwind ist ein energiereicher Teilchenstrom, der ständig von der Sonne in alle Richtungen abströmt. Er besteht hauptsächlich aus Protonen und Elektronen. Von der Sonne gelangt der Strom mit einer Geschwindigkeit von ca. 150 bis 300 km/s zur Erde. Das Magnetfeld der Erde hält den Teilchenschauer zum größten Teil von der Erde ab. Nur wenn der Sonnenwind besonders stark ist, können die Teilchen das irdische Magnetfeld verformen, in die hohen Schichten der Erdatmosphäre eindringen und dort Polarlichter hervorrufen. „Dass Bienentänze durch Magnetfelder beeinflusst werden, haben schon Karl von Frisch und Martin Lindauer gewusst“, so Bienenexperte Tautz. Erwachsene Honigbienen nehmen magnetische Felder wahr und orientieren sich an ihnen. Wenn das Erdmagnetfeld verändert wird, wird gleichzeitig die Heimkehr-Fähigkeit der Honigbienen gestört, so dass sie nicht mehr zurück zu ihrem Bienenstock finden können. Bestimmte Bienenverluste können durch derartige Störungen der Magnetosphäre verursacht werden.

Prof. Tautz sagt zu dieser neuen Studie: „Ein mysteriöses Verschwinden großer Anzahlen an Sammelbienen wird seit mehr als einhundert Jahren immer wieder einmal gemeldet. Falls Sonnenwinde auf Bienenvölker erkennbare Wirkung haben, wie nach der hier angesprochenen Arbeit vorgeschlagen, muss das CCD-Phänomen aufgetreten sein, seit es Honigbienen gibt. Möglicherweise kommt es aber erst in Kombination mit anderen menschgemachten Stressoren, denen die Bienen heute ausgesetzt sind, zu den auffallenden massiven Bienenverlusten. Sicherlich können nicht alle Fälle von CCD mit EINER Ursache erklärt werden, die alle derartigen Fälle abdeckt. Wahrscheinlicher ist, dass räumlich und zeitlich unterschiedliche Faktoren am Ende das spurlose Verschwinden großer Anzahlen an Sammelbienen als den gleichen sichtbaren Effekt hervorrufen. Wie groß die Rolle ist, die dabei massive Sonnenwinde spielen, wird in künftigen Forschungen zu klären sein.“

HOBOS (HOneyBee Online Studies) ist ein Würzburger Honigbienenprojekt, das Prof. Dr. Jürgen Tautz seit 2006 als ein interaktives Schulkonzept entwickelt und leitet. Weltweit kann jeder über das Internet mit Mikro-Chips ausgestattete Bienen und das Innenleben eines Bienenstocks sowie zahlreiche Messwerte aus der Umwelt (Wetter, Vegetation, Boden) verfolgen. So zeigen sich viele für den Menschen wichtige Aspekte der Ökologie.   gbr

Quelle: PM Hobos/Kristina Vonend am 3.8.2015 (gekürzt)
Quelle Foto: http://sec.gsfc.nasa.gov/
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