Wildbienen bevorzugen Partner mit demselben ‚Dialekt‘

Die rote Mauerbiene (Osmia bicornis) ist eine in Europa weit verbreitete Wildbienenart. Sie fliegt sehr früh im Jahr und bestäubt äußerst effizient Blüten wie die der Äpfel vom Bodensee: Eigenschaften, die Obstbauern an dem Insekt schätzen.

Bienen bei der Paarung in natürlicher Umgebung
Bienen bei der Paarung in natürlicher Umgebung © Taina Conrad / Uni Ulm

Zunehmend werden Exemplare der Bienenart deshalb für die kommerzielle Bestäubung von Obstbäumen genutzt. Damit einher geht der Handel mit Bienenkokons, die europaweit verschickt werden. Ein Aufeinandertreffen zwischen deutschen, englischen und anderen europäischen Subgattungen der roten Mauerbiene ist damit nicht mehr ausgeschlossen. Bei der roten Mauerbiene suchen sich die Weibchen ihre Fortpflanzungspartner aus. Bislang dachte man, dass sie sich für Männchen entscheiden, deren Geruch und ‚Fitness‘ sie attraktiv finden. Ulmer Biologen haben nun herausgefunden, dass Weibchen vor allem Männchen bevorzugen, die aus dem gleichen Land stammen.

Warum „fliegt“ ein einheimisches Weibchen der roten Mauerbiene nicht auf Männchen aus England oder Dänemark? Bislang nahmen Forscher an, dass Bienen sich hauptsächlich anhand chemischer Duftstoffe für oder gegen einen Fortpflanzungspartner entscheiden. Die Ulmer Biologen Dr. Taina Conrad und Professor Manfred Ayasse haben nun herausgefunden, dass auch Balz-Vibrationsmuster auf die Partnerwahl Einfluss nehmen. Diese unterscheiden sich offenbar von Region zu Region und galten bisher vor allem als Hinweis auf die physische „Fitness“ einer Biene.
Als ersten Schritt führten die Wissenschaftler Paarungsversuche zwischen Bienen aus Deutschland, England und Dänemark im Labor durch. Aus früheren Studien wussten die Biologen bereits, dass bei den roten Mauerbienen das Weibchen entscheidet, mit wem es sich paart und es dafür besonders starke und gut riechende Männchen bevorzugt. Die neue Untersuchung zeigte nun zudem, dass die weiblichen Bienen sich vor allem für Paarungspartner aus dem eigenen Land entscheiden. Fast nie waren Paarungsversuche zwischen zum Beispiel englischen und deutschen Tieren erfolgreich.

Doch woher wissen die Bienenweibchen, woher ihr Auserwählter stammt? Die Ulmer Forscher vermuteten, dass dafür die Vibrationssignale der Männchen verantwortlich sein könnten: „Möglicherweise sind die Muster von Region zu Region unterschiedlich, vergleichbar mit Dialekten einer Sprache.“ Vielen Insekten dienen Vibrationen als wichtiges Medium für die Kommunikation untereinander, insbesondere beim Balzverhalten. Vibrationen, die von den Bienenmännchen mit ihren Flugmuskeln erzeugt werden, sind für Weibchen über den direkten Körperkontakt spürbar. Dauer der Vibrationen und Verzicht auf lange Pausen signalisieren hierbei, dass ein Männchen besonders ‚fit‘ ist und einen guten Fortpflanzungspartner abgibt.

Quelle und mehr Infos: https://idw-online.de/de/news640099 (Marieke Behnel)     gbr