Wildbienenart im Rheinland entdeckt

Die Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus) wurde kürzlich im Rahmen des Projektes ‚Summendes Rheinland – Landwirte für Ackervielfalt‘ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft erstmals in Nordrhein-Westfalen (NRW) nachgewiesen. Ob sie als Gast nur kurz bleibt oder in NRW eine weitere Heimat gefunden hat, ist noch ungewiss.

„Bislang kannte man die Zweizellige Sandbiene in Deutschland lediglich aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg. 2015 wurde sie zudem in Thüringen nachgewiesen“, berichtet Olaf Diestelhorst. Der Biologe hatte die neue Wildbienenart am 2. Mai 2016 in Zülpich im Rahmen eines faunistischen Monitorings zum Projekt entdeckt. Die wärmeliebende und daher eher im Süden Europas verbreitete Zweizellige Sandbiene besiedelt vor allem Offenland-Lebensräume. Dabei ist sie hauptsächlich auf Blühflächen mit einem hohen Angebot von Raps, Ackersenf oder Wiesen-Schaumkraut zu finden, da sie zur Versorgung ihres Nachwuchses ausschließlich auf das Sammeln des Pollens bestimmter Kreuzblütler spezialisiert ist.

„Es ist nicht alltäglich, dass wir im Rahmen unseres Projektes „Summendes Rheinland“ eine solche herausragende Entdeckung machen. Dies bestätigt, dass wir auf einem richtigen und wichtigen Weg sind“, freut sich Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und selbst engagierter Landwirt. Eine Vermutung, warum diese Wildbienenart auch im Rheinland nachgewiesen wurde, erläutert Professorin Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN): „Die Zweizellige Sandbiene gehört zu den Arten, die offenbar vom Klimawandel profitieren und ihr Verbreitungsgebiet nach Norden ausdehnen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass auch den spezialisierten Arten die benötigten Nahrungsgrundlagen zur Verfügung stehen, gleich ob es der Blütenreichtum in den Kalkmagerrasen der Eifel oder die Blühflächen in den Hochertragsflächen der Börde sind.“

In Nordrhein-Westfalen sind 364 Wildbienenarten etabliert, wovon bereits 45 Arten ausgestorben und 35 Prozent der Arten aktuell bestandsgefährdet sind (Rote Liste NRW, 2011). Für spezialisierte Bienenarten wie die Zweizellige Sandbiene ist das Vorkommen bestimmter Pflanzenarten der begrenzende Faktor in einem potentiellen Lebensraum. Dies spielt nicht nur eine Rolle bei der ausreichenden Versorgung des Nachwuchses mit der richtigen Pollenart, sondern auch bei erwachsenen Wildbienen, die sich fast ausschließlich vom Nektar dieser Pflanzen ernähren. „Viele Wildbienenarten finden in intensiv genutzten Agrarlandschaften keinen adäquaten Lebensraum mehr, um sich zu ernähren und fortzupflanzen. Wildbienen zählen jedoch zu den bedeutendsten Bestäubern für Wild- und Kulturpflanzen, so dass sich auch immer mehr Landwirte mit der Gefährdungssituation von Insekten, insbesondere mit dem Verlust von Wildbienen, beschäftigen“, erläutert Professorin Beate Jessel. „Das Projekt „Summendes Rheinland“ zum Schutz und zur Förderung von Wildbienen in der Agrarlandschaft stößt bei den Landwirten auf positive Resonanz und ist ein richtungsweisendes Projekt für den Naturschutz in der Agrarlandschaft. Ich freue mich sehr, dass wir zu den vielen bereits erzielten Erfolgen im Bundesprogramm Biologische Vielfalt nun zusätzlich den Erstnachweis einer Wildbienenart für Nordrhein-Westfalen verzeichnen können.“

Quelle und mehr: https://idw-online.de/de/news653604 (Ruth Schedlbauer)   Fotos: https://www.flickr.com/search/?text=Andrena%20lagopus
gbr