Varroa-Behandlungsmittel sind Medikamente

Was man darf und was nicht!

Immer wieder sind Imker unsicher, ob man Medikamente nicht selbst herstellen darf, was eine Zulassung als Tierarzneimittel bedeutet und welche Varroa- Mittel für welche Behandlung zugelassen und geeignet sind. Im Folgenden haben wir alles Wissenswerte rund um die Bienenarzneimittel zusammengestellt.

Tierarzneimittel bei Bienen

Ein Bienenvolk produziert Lebensmittel. Die Bekämpfung von Krankheiten mit Medikamenten unterliegt daher besonders strengen rechtlichen Anforderungen. Diese sind in allen EU-Ländern und der Schweiz gleich.

Wie werden Arzneimittel zugelassen?

Alle Tierarzneimittel müssen amtlich zugelassen werden. Dabei wird anhand der vom Hersteller vorgelegten Untersuchungen geprüft, ob sie für die Bienenvölker und den Anwender ungefährlich sind, eine therapeutische Wirkung haben und keine unzulässigen Rückstände auftreten. Schließlich dürfen die neu zugelassenen Arzneimittel auch die Umwelt nicht belasten. Neben der Zulassung als Fertigarzneimittel besteht in Deutschland die Möglichkeit der Standardzulassung für einen Wirkstoff in einer bestimmten Anwendungsform und Dosierung. Dies erlaubt den Apotheken, selbst Arzneimittel herzustellen.

Was enthält die Packungsbeilage?

Bei Fertigarzneimitteln ist die Packungsbeilage, oft auch als Beipack- oder auch als Waschzettel bezeichnet, Bestandteil der Zulassung. Sie enthält alle Angaben zur Anwendung des Arzneimittels. Mit der Wartezeit wird die Zeit zwischen Anwendung des Medikaments und Gewinnung des Lebensmittels angegeben. Auf der Verpackung selbst steht das Haltbarkeitsdatum des Medikaments. Sobald man von diesen festgeschriebenen Angaben abweicht, verliert das Medikament seine Zulassung, und auch der Hersteller haftet nicht mehr dafür.

Welche Bienen-Medikamente sind in Deutschland zugelassen?

In Deutschland sind zurzeit nur Arzneimittel zur Bekämpfung der Varroose zugelassen. Verschiedene Artikel in unserer Imkerzeitschrift, aber auch die verschiedenen regional entwickelten Bekämpfungskonzepte geben bei der Auswahl Hilfestellung. In der ökologischen Imkerei dürfen keine Medikamente mit synthetischen Wirkstoffen angewandt werden.

Wie sind Rückstände zu bewerten?

Die Wirkstoffe aller Medikamente müssen aufgrund ihrer Eigenschaften von der in Europa zuständigen Behörde für Arzneimittel (EMA) bewertet und ein maximal zulässiger Rückstandswert (MRL) festgelegt werden. Für das Coumaphos in Perizin beträgt er 100 ug/ kg. Für alle anderen Wirkstoffe inklusive das in Bayvarol enthaltene Flumetrin besteht kein Höchstwert. Man geht davon aus, dass die nach einer Behandlung möglichen Rückstände unbedenklich für die Gesundheit des Konsumenten sind.
Auch für die organischen Säuren wird kein Höchstwert angegeben, trotzdem sind sie nicht unbedingt zulässig. Grundlage dafür ist die Honigverordnung, die im Wesentlichen den internationalen Regeln folgt. Danach dürfen Honig weder fremde Stoffe zugesetzt noch honigeigene entzogen werden, er darf keinen künstlich veränderten Säuregrad besitzen sowie keinen fremden Geruch und Geschmack aufweisen. Bei unsachgemäßer Anwendung können Rückstände auftreten, die den Geschmack des Honigs so beeinflussen, dass er bei der amtlichen Kontrolle beanstandet wird. Die Tabelle 2 zeigt, dass die einzelnen organischen Säuren in den verschiedenen Honigen bei unterschiedlichen Konzentrationen wahrgenommen werden. Für ätherische Öle, insbesondere Thymol, sind die Schwellenwerte deutlich niedriger.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Varroa-Milben sind in allen Völkern verbreitet und können nicht restlos eliminiert werden. Bei der Behandlung gilt daher die Devise: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich; denn jedes Mittel hat auch unerwünschte Nebenwirkungen. Diese können sich sofort nach Behandlung in Form von toten Bienen oder Brut zeigen oder als subletale Schäden das Volk anfälliger für Krankheiten machen. Alle Wirkstoffe, die sich im Wachs anreichern, können auf die Brut wirken. Insbesondere bei synthetischen Stoffen kann dies zu Verhaltensänderungen oder einer Verkürzung der Lebensdauer führen.

Wann entstehen Resistenzen?

Bei der Varroa-Milbe treten europaweit zurzeit Resistenzen gegen verschiedene Wirkstoffe auf. Dazu gehören synthetische Pyrethroide (Bayvarol), Coumaphos (Perizin) und das bei uns nicht zugelassene Amitraz. Aber auch bei natürlichen Substanzen sind Resistenzen möglich, wenn auch seltener. Daher ist in allen Fällen dringend angeraten, nach der Behandlung deren Erfolg anhand des natürlichen Milbenabfalls im Gemüll oder mit Hilfe der Puderzuckermethode bei lebenden Bienen zu überprüfen.

Wie erfolgt Abgabe und Vertrieb von Arzneimitteln?

Apothekenpflichtige Medikamente können ausschließlich in Apotheken und beim Tierarzt bezogen werden. In einzelnen Bundesländern werden geförderte Bienenarzneimittel im Rahmen von Bekämpfungsprogrammen auch über die Tierseuchenkasse bzw. über staatliche Stellen abgegeben. Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln muss ein Tierarzt vorher das Bienenvolk in Augenschein genommen haben und anschließend den Heilungserfolg überprüfen. Der Erhalt und die Anwendung von apothekenpflichtigen Medikamenten müssen vom Imker im Bestandsbuch schriftlich festgehalten werden. Frei verkäufliche Bienenarzneimittel kann man dagegen über den Handel – wie den Imkereibedarfshandel – beziehen.

Wie verhält man sich in der EU?

In der Europäischen Union sind zahlreiche Medikamente in einem Land zugelassen, in dem anderen aber nicht. Solange man sich mit seinen Tieren in einem Land aufhält, darf man auch die dort zugelassenen Medikamente anwenden. Wandert man mit den Völkern oder verkauft deren Honig in ein Land, in dem der Wirkstoff nicht zugelassen ist, handelt man trotzdem nicht illegal. Die Lebensmittelüberwachung darf den Honig nur beanstanden, wenn Rückstände über den in der gesamten EU geltenden Grenz- bzw. Schwellenwerten liegen. Auch die für die Arzneimittelüberwachung zuständige Behörde würde nur eingreifen, wenn die Behandlung im eigenen Land erfolgt ist. Anders ist die Situation, wenn man ein Medikament in einem EU-Land kauft und in einem anderen anwendet, wo es nicht zugelassen ist. In diesem Fall verstößt man gegen das Arzneimittelgesetz und macht sich strafbar. Nach neueren EU-Bestimmungen könnte man sich aber ein in einem anderen EU-Land zugelassenes Medikament vom Tierarzt verschreiben lassen.

Dr. Wolfgang Ritter
ritter@bienengesundheit.de

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