Asian Honey Bees

Benjamin P. Oldroyd, Siriwat Wongsiri
Biology, Conservation, and Human Interactions
Harvard University Press, London 2006,
340 Seiten, sw Fotos, Zeichnungen,
Preis: 51,00 € (£ 38,95, $ 59,95),
ISBN 0-674-02194-0

Während der letzten Dekaden haben auf dem Gebiet der Bienenforschung in besonderer Weise zwei Richtungen zu wesentlichen neuen Erkenntnissen geführt. Zum Ersten lieferten immer genauere Untersuchungen des Verhaltens, des Stoffwechsels, der Hormone, des Nervensystems und der Genetik überraschende Zusammenhänge. So sind Lernen, Gedächtnis und sogar das Genom der Honigbiene Apis mellifera gar nicht so verschieden von unserer eigenen, menschlichen biologischen Ausstattung, wie die Wissenschaft vormals angenommen hatte. Aber nicht nur der eben angeführte Blick in die Biene hinein war wissenschaftlich erfolgreich, sondern auch der Blick nach außen ,also von der europäischen Honigbiene nach Asien – davon handelt das hier zu besprechende Buch – hat viele Überraschungen gebracht und eine unerwartet große biologische Vielfalt aufgedeckt.
Für viele Imker und Wissenschaftler, die sich seit vielen Jahren immer mit nur einer einzigen Honigbienenart, nämlich der Apis mellifera, beschäftigt haben, ist es interessant zu erfahren, was es mit den anderen acht Honigbienenarten auf sich hat, die in Asien zu finden sind. Hier bietet das Buch von Oldroyd und Wongsiri eine umfassende Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstandes.
In 12 Kapiteln werden auf 250 Seiten die wesentlichen Aspekte der asiatischen Bienen dargestellt. Das reicht von einer kurzen einführenden Beschreibung der Arten über die Evolution, das Sozialverhalten bis hin zu der großen Zahl der Parasiten (einschließlich der verschieden Varroa- und Tropilaelaps-Arten!). Kapitel über die traditionelle Nutzung der Bienen durch den Menschen, über die Rolle der Bienen als Bestäuber vieler Blütenpflanzen und Bemühungen zum Schutz runden das insgesamt sehr eindrucksvolle Werk ab. Der englische, z. T. wissenschaftlich anspruchsvolle Text wird durch viele Diagramme und instruktive Abbildungen ergänzt. Die einzigartigen Fotos allerdings leiden unter der nicht farbigen Wiedergabe. Von hohem Wert, vor allem für den wissenschaftlich interessierten Leser, ist der Anhang. Neben einem Schlüssel für die Bestimmung der Honigbienenarten gibt es erstmalig auch einen Bestimmungsschlüssel für die parasitischen Milben der einzelnen Bienenarten, und last but not least findet sich auf mehr als 50 Seiten ein nahezu vollständiges Literaturverzeichnis. Zum Abschluss eine kurze Empfehlung. Dieses Buch ist eine „Pflichtlektüre“ für alle wissenschaftlich orientierten und englischsprachigen Personen, die sich beruflich oder privat mit der Honigbiene beschäftigen.
Darüber hinaus lautet die Botschaft dieses Buches: Unsere Biene (Apis mellifera) ist biologisch gesehen ein einzelner Ast. Wer sich für den ganzen Baum interessiert, sollte zu dem Buch von Oldroyd und Wongsiri greifen.
Prof. Dr. Nikolaus Koeniger
Institut für Bienenkunde Oberursel