Westrich: Wildbienen

Paul Westrich
Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2011
168 Seiten gebunden, Format 21 × 21 cm,
sehr reich bebildert, Preis 19,80 Euro
ISBN 978-3-89937-136-9

Man bekommt selten ein Buch in die Hand, das so stark in seinen Bann zieht. Fantastische Fotos haben schon im Standardwerk des Autors, Die Wildbienen Baden-Württembergs (Ulmer, Stuttgart 1989, leider vergriffen) fasziniert. Zwar sind jetzt manche der über 480 Abbildungen etwas klein geraten, aber immer ausreichend für ihre Aussage. Bienen in allen Lebenslagen: beim Sammeln von Futter oder Baumaterial, beim Anflug an die Nisthöhle, bei der Paarung oder beim Schlafen! Das Buch ist kein Bestimmungsbuch. Dennoch kann manche Art bei gründlichem Vergleich bestimmt werden. Nach einer kleinen Einführung in die biologischen Grundlagen werden verschiedene Wildbienen vorgestellt: Solitärbienen, Soziale Bienen und Kuckucksbienen, nebst einigen weitläufigeren Verwandten, die zum Teil ähnliche Nistgelegenheiten nutzen. Die Wildbienen brauchen in ihren Lebensräumen nicht nur die passenden Trachtpflanzen, sondern auch den gewohnten Nistplatz und das geeignete Baumaterial. Diese komplexen und anschaulich beschriebenen Zusammenhänge machen jedem im Wildbienenschutz engagierten Imker klar, dass mit dem Aufhängen von Bohrhölzern die Wildbienen nicht zu retten sind. Zumindest nicht die am meisten bedrohten Arten.
Gefährdung und Schutz widmet sich das Buch in seinem zweiten Teil. Der beste Schutz besteht immer noch im Erhalt der natürlichen Lebensräume. Was so alles in Medien und Internet als Wildbienenschutz kursiert, nimmt Westrich sehr kritisch aufs Korn. Ob es nötig war, die Fotos von Blumenbeeten oder „Insektenhotels“ für Begriffsstutzige in dicker roter Schrift mit dem Wort „Ungeeignet!“ quasi abzustempeln, ist sicher Geschmackssache. Aber er hält sich nicht lange mit Kritik auf, sondern liefert seitenweise Tipps zum Anbau der richtigen Bienenweide, die auch stärker gefährdeten Arten nutzt, und Nisthilfen zum selber Bauen, für deren Ansiedlungserfolg der Autor garantiert. Zu Recht kritisiert er in Weichholz gebohrte, faserige Löcher, die jede Wildbiene am Hineinschlüpfen hindern, oder ins Hirnholz von Baumscheiben gesetzte Bohrungen, die reißen und Feuchtigkeit eindringen lassen. Seine Beschreibungen und Fotos von Nestverschlüssen lassen sich bestimmten Arten zuordnen. Neben den Lebensbildern hohlraumbesiedelnder Bienen, die häufiger an Nisthilfen anzutreffen sind, ist dies eine wertvolle Unterstützung, wenn man die Arten im eigenen Naturinteresse oder im pädagogischen Einsatz ansprechen will. Denn „Nisthilfen dienen vor allem päda­gogischen Zwecken und weniger dem speziellen Artenschutz“, so Westrich.
Das Buch ist ein Muss für alle, die mehr über die „anderen Bienen“ wissen und etwas für sie tun wollen.
Armin Spürgin