„Naturbelassen“ darf nicht aufs Etikett!

Leser Alois Rieder aus 83112 Frasdorf schreibt:
Nach einem Besuch der Lebensmittelkontrolle des Landratsamtes Rosenheim muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die Etikettierung des Glases auf Seite 15 im Juliheft gegen § 11 Abs. 1 Nr. 3 LFGB (Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch) verstößt. Danach sind Aussagen wie „echt“ oder „naturbelassen“ Werbung mit Selbstverständlichkeiten und müssen unterlassen werden.
Um anderen Imkern die kostenpflichtige Beurteilung zu ersparen, bitte ich Sie, die Information zu berichtigen.

Antwort: Der Begriff „naturbelassen“ kann tatsächlich von der Lebensmittelkontrolle auf Basis des § 11 (Täuschung) des LFGB beanstandet werden. Die Honigverordnung gibt vor, dass ein Honig naturbelassen sein muss. Daher ist der Begriff „naturbelassen“ in dem Sichtfenster des Etiketts zur Lebensmittelkennzeichnung/Honigkennzeichnung eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Werbung mit Selbstverständlichkeiten ist nach § 11 LFGB eine Täuschung. Gleiches gilt auch für „echt“.
Der Begriff „Echter Deutscher Honig“ des D.I.B. ist ein rechtlich geschützter Begriff und darf, allerdings nur auf dem D.I.B.-Gewährverschluss, verwendet werden.
Nach HonigV ist Honig ein Naturprodukt. Zwar kann es durch Ernte und Pflege zu Qualitätseinbußen kommen, diese müssen aber nach HonigV weitestgehend vermieden werden.
Die Qualitätseinbußen sind bei Importhonigen von Abfüllern (Vermarktungsplatz Supermarkt) wesentlich höher als bei Honig von Imkern. Daher ist es verständlich, dass Imker sich gerne durch die Attribute wie „naturbelassen“ von den anderen Anbietern abheben möchten. Sich von der Masse des Honigangebotes mit höherer Qualität und dessen Herauslobung abzusetzen, ist möglich über Zusätze wie „Auslese“ oder „Premium“ gemäß den Leitsätzen für Honig oder unter besonderen Qualitätssiegeln, wie der D.I.B.-Warenzeichensatzung.   Dr. Werner von der Ohe
Werner.von-der-Ohe@LAVES.Niedersachsen.de
  Das sagt das Gesetz:
§ 11 Vorschriften zum Schutz vor Täuschung
(1) Es ist verboten, Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung in den Verkehr zu bringen oder für Lebensmittel allgemein oder im Einzelfall mit irreführenden Darstellungen oder sonstigen Aussagen zu werben. Eine Irreführung liegt insbesondere dann vor, wenn …
3. zu verstehen gegeben wird, dass ein Lebensmittel besondere Eigenschaften hat, obwohl alle vergleichbaren Lebensmittel dieselben Eigenschaften haben, …