01/2010: Ist der Honig vom Indischen Springkraut tatsächlich giftig?

Frage:
Zum Ende der Saison haben bei einigen Imkerkollegen die Bienen so viel Nektar vom Neophyten „Indisches Springkraut“, auch „Balsamine“ genannt, eingetragen, dass sie schleudern mussten. Nun gibt es die Meinung unter Imkern, der Honig sei giftig. Was weiß man darüber?
Rudolf Rümmele
Imkerverein Schopfheim

Antwort:
Die einjährige Pflanze bevorzugt feuchte Standorte wie Uferbereiche von Bach- und Flussläufen, stellt keine besonderen Bodenansprüche und produziert zahlreiche Samen, die mehrere Jahre keimfähig bleiben. Durch ihr flächendeckendes Auftreten verdrängt die Pflanze die standortgerechte Vegetation, die den natürlichen Lebensraum für viele einheimische Tiere bietet. Da die Pflanze erst im Spätsommer zur Blüte gelangt und eine Blühdauer von bis zu 12 Wochen hat, bietet sie jedoch auch vielen Insekten ein reichhaltiges Pollen- und Nektarangebot, zu einer Jahreszeit, wo einheimische Trachtpflanzen in der Regel meist schon verblüht sind. Bienen, die aus der Balsaminentracht in den Stock zurückkehren, erscheinen durch den am Rücken und Kopf anhaftenden Pollen wie bepudert. Die Nektarsekretion der Indischen Balsamine ist reichlich und wird mit Mengen von bis zu 4 g pro m2 Pflanzenbestand, bei Zuckergehalten von bis zu 53 %, angegeben. Dies führt nicht selten dazu, dass sogar Sortenhonige geerntet werden können; allerdings neigt der Honig nach unseren Erfahrungen immer zu höheren Wassergehalten. Letzteres muss nicht unbedingt trachttypisch sein, es kann auch eine Folge der Spättracht sein. Der Honig hat ein leicht säuerliches Aroma. Die Pflanze selbst ist schwach giftig, ihr Pollen ist jedoch nicht allergieauslösend. Obwohl im Kraut und in den Blüten der Pflanze die Substanzen 2-Methoxy-1-4-naphtochinon und 2-Hydroxy-1-4-naphtochinon enthalten sind, ist nichts von toxischen Inhaltsstoffen im Honig und einer eventuellen Gesundheitsgefährdung durch den Verzehr bekannt.
Dr. Dr. Helmut Horn
LA für Bienenkunde der Uni Hohenheim