01/2011: Ist Rainfarn für Schwangere gefährlich?

Reaktion auf die Leserbriefe aus dem Novemberheft bezüglich des Räucherns von Rainfarn

Frage:
Der Rainfarn ist ein tolles Kraut und wird auch schon lange in der Volksheilkunde eingesetzt. Allerdings sollte man auch auf die Risiken im Umgang mit dem Rainfarn hinweisen. Im Mittelalter wurde er zur Abtreibung genutzt und kann bei Schwangeren starke Blutungen und einen Abort herbeiführen. Diese Wirkung soll sowohl beim Umgang mit der Pflanze als auch beim Einatmen des Rauches während des Räucherns auftreten. Sollten Schwangere deshalb vollkommen auf das Arbeiten mit Rainfarn verzichten, und muss der Imker beim Verbrennen darauf achten, das keine schwangere Frau in der Nähe ist?
Susanne Gilbrich, Greifenstein

Antwort:
Rainfarn (Tanacetum vulgare) wurde im Mittelalter als Wurmmittel, später auch wohl für Abtreibungen verwendet. Wichtiger Wirkstoff ist das in ihm enthaltene Thujon. Um dieses zu erhalten, destillierte man Blätter und Blüten des Rainfarns. Zum Auslösen eines Schwangerschaftsabbruchs benötigt man aber Konzentrationen, die hoch giftig sind und zu epileptischen Krämpfen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder sogar zum Tod führen (http://de.wikipedia.org/wiki/Thujon).
Wenn man Rainfarn im Smoker verbrennt, verbrennt sicherlich auch der größte Teil des Thujons. Selbst wenn jemand den Rauch gezielt einatmen würde, bekäme er zwar eine Rauchvergiftung, die Konzentration des Thujons würde aber bestimmt nicht ausreichen, um eine mögliche Schwangerschaft zu gefährden. Ziehen wir einmal eine Parallele zum Tabak: Wenn man ein paar Zigaretten essen würde, würde man sterben. Doch in der Zigarette verbrennt das Nikotin, und Raucher überleben meist tausende von Zigaretten, obwohl sie den Rauch direkt inhalieren.
Weder Rauch vom Rainfarn noch irgendeinen anderen Rauch sollte man einatmen, und dies gilt für Schwangere genauso wie für Nichtschwangere.
Prof. Dr. Karsten Münstedt
Universitätsfrauenklinik Gießen