02/2012: Ist der Apimondia-Imkerkongress nicht auch für den

Frage:
In meinem 40-jährigen Imkerleben wollte ich einmal an einem Weltkongress der Imker teilnehmen. Argentinien interessierte mich, weil ich dort vor vielen Jahren beruflich tätig war. Also habe ich mich für die von Fachberater Arno Bruder organisierte Imkerfachreise angemeldet. Von meinen Enkeln ließ ich mir die Titel der Fachvorträge übersetzen und habe mir die interessantesten ausgesucht, in der Überzeugung, diese über Kopfhörer auf Deutsch mitverfolgen zu können. Jetzt im Nachhinein hält sich meine Begeisterung für die Apimondia in Grenzen. Da der Eintritt 120 US-Dollar pro Person und Tag betrug, hat sich Herr Bruder um einen Gruppen-Preis bemüht. Da dies nach fast 3-stündigem Bemühen nicht zustande kam, musste ich noch 40 Dollar für den halben Tag bezahlen (der volle Tagespreis ohne Vorträge!).
Endlich in der Kongresshalle angekommen, musste ich zur Kenntnis nehmen, dass alle Fachvorträge nur in Englisch oder Spanisch gehalten wurden. Vergeblich suchte ich den Präsentationsstand des Deutschen Imkerbundes. Der D.I.B. war gar nicht vertreten, obwohl er Mitglied der Apimondia ist und Stimmrecht hat. Diese Funktion hat Walter Haefeker vom EPBA übernommen (siehe Ausgabe 11/2011).
Etwas Erfreuliches habe ich dann doch erlebt. Ich durfte mein mitgebrachtes Poster über Wildbienen, obwohl nicht normgerecht (DIN A3) und in deutscher Sprache, an einer Posterwand anbringen. Somit war mein Poster wahrscheinlich der einzige sichtbare deutsche Beitrag auf der Apimondia. Die anschließende Rundreise nach Patago­nien, Feuerland Ushuaia, Nationalpark Torres del Paine, Punta Arenas, Puerto Varas und Santiago de Chile war interessant und ein sehr schönes Erlebnis.
Karl Lipp, 84524 Neuötting

Da andere Besucher möglicherweise ähnliche Erlebnisse beim Apimonida-Kongress hatten, baten wir Dr. Wolfgang Ritter, als Mitglied der Kommission hierzu Stellung zu nehmen.

Antwort:
Ihre Unzufriedenheit kann ich gut nachvollziehen. Da mich häufiger Anfragen dieser Art erreichen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um einmal die Zusammenhänge aufzuzeigen.
Zunächst ist es wichtig festzustellen, dass das finanzielle Risiko eines Apimondia-Kongresses weitgehend beim lokalen Veranstalter liegt. Insofern sind die Möglichkeiten des Weltbienenverbandes, auf kostenbestimmende Angebote, wie z. B. Eintrittspreise und Übersetzungen der Vorträge, Einfluss zu nehmen, relativ begrenzt. Im vier Jahre vor dem Kongress geschlossenen Vertrag werden zwar die Eckdaten festgelegt, und die Apimondia drängt hier auf möglichst günstige Grundpreise, aber alle darüber hinausgehenden Angebote richten sich nach der Kalkulation des lokalen Veranstalters. Um das finanzielle Risiko des Veranstalters gering zu halten, muss auf allen Kongressen der Apimondia jeder, der einen Vortrag hält oder ein Poster präsentiert, den vollen Beitrag für die gesamte Kongresszeit bezahlen. Wenn man, wie früher möglich, dafür Tageskarten zulassen würde oder jemand sogar für einen nicht Anwesenden einen Vortrag oder Poster präsentieren dürfte, müsste man den Kongresspreis noch deutlich erhöhen.
Bei den Präsentationen – sei es von Vorträgen oder Postern – müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllt werden. Die eingereichten Kurzfassungen werden von Fachleuten der jeweiligen wissenschaftlichen Kommission auf Qualität und Originalität geprüft. Von den angenommenen Beiträgen kann nur ein geringer Teil, meist weniger als 10 %, als Vortrag präsentiert werden, die meisten werden abhängig vom Raumangebot als Poster freigegeben. Es handelt sich dabei also nicht um einen Aushang irgendwelcher Meinungen oder Erkenntnisse, sondern um vorgeprüfte wissenschaftliche Beiträge. Alle Vorträge und Poster müssen in Englisch vorgetragen bzw. verfasst werden. Dies ist die heute in der Wissenschaft allgemein übliche Sprache. Ausnahmen stellen die von jeder Kommission ab gehaltenen Plenarsitzungen dar. Diese auch thematisch besonders für Imker ausgewählten Vorträge werden in verschiedene Sprachen simultan übersetzt und können auch in diesen Sprachen gehalten werden. Diese simultanen Übersetzungen sind einer der größten Kostenfaktoren eines Kongresses. Die anspruchsvolle Arbeit der Dolmetscher ist teuer. Wegen der enormen Anstrengung müssen sich oft zwei Dolmetscher in kurzen Abständen abwechseln.
In der Regel werden die drei Weltsprachen Englisch, Französisch und Spanisch angeboten. Zusätzlich die Sprache des Veranstaltungslandes sowie je nach Zahl der aus einem Sprachraum angemeldeten Besucher auch andere Sprachen. Für Deutsch reicht die Zahl der Teilnehmer meist nur bei einer Veranstaltung in Europa aus. In Buenos Aires beispielsweise waren nur 116 der 8.500 Teilnehmer Deutsch sprechend.
Der Veranstalter hat hier ausnahmsweise in allen Sitzungen auch die Landessprache Spanisch angeboten. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies ein Rückschritt, aber nur so meinte der Veranstalter, die notwendige Zahl von voll zahlenden Teilnehmern zusammenbringen zu können. Sie sehen, alles ist letztendlich eine finanzielle Frage. Dies gilt auch für die Webseite der Apimondia (www.apimondia.com), die nur noch in den drei Grundsprachen angeboten werden kann. Nur wenn ein Verband oder ein anderer Sponsor die Übersetzungskosten übernimmt, kann hier alles auch auf Deutsch erscheinen. Bleibt der Trost, dass dieses Problem für zukünftige Generationen geringer werden wird, denn ein einfaches – wie wir es nennen „workable English“ – entwickelt sich zunehmend als zukünftige Weltsprache. Dies ist auch für Englisch-Muttersprachler nicht ganz zufriedenstellend, da aus ihrer Sicht damit die Vielfallt ihrer Sprache verlorengeht. Ein weltweiter Gedankenaustausch erfordert somit Kompromisse in allen Richtungen.
Dr. Wolfgang Ritter, CVUA Freiburg
ritter@bienengesundheit.de