02/2012: Kunststoffdeckel fürs Bio-Honigglas?

Frage:
Auf mehreren Fotos unseres diesjährigen Monatsbetrachters Dr. Marc-Wilhelm Kohfink sind Neutralgläser zu sehen. Diese haben einen sogenanntenTwist-Off-Deckel, bei dem bekanntlich im Deckel­rand ein Weichkunststoffrand aufgespritzt ist, um Luftzutritt auszuschlie­ßen. Innerhalb des Textes erwähnt aber Herr Kohfink, dass Kunststoff beim Bio-Imker verboten ist. Vor etlichen Jahren hat, wie in Ihrer Zeitschrift zu lesen war, der Deutsche Imkerbund die Verwendung von Twist-Off-Deckeln geprüft. Das Ergebnis war eindeutig: Keinen Kunststoff in direkter Verbindung zum Honig verwenden! Dies wurde begründet mit der Geschmacksbeeinflussung des Honigs durch den Kunststoff. Mich interessiert nun die Meinung der Bio-Imker zu diesem Thema.
Ferdinand Marcks, 51109 Köln

Antwort:
Bei den Twist-Off-Deckeln gab es in der Tat Verun sicherungen. 2004/05 ging durch die Presse, dass das in den Deckeln verwendete Aufschäummittel den Stoff Phthalaten abgeben könnte, wenn er mit den in den Gläsern aufbewahrten Lebensmitteln in Kontakt komme. Da der Stoff fettlöslich ist, betraf dies aber nur fetthaltige Lebensmittel wie z. B. Fertigsoßen. Honig enthält jedoch kein Fett. Außerdem sind die Hersteller von Deckeln inzwischen dazu übergegangen, andere Dichtstoffe zu verwenden. Twist-Off-Deckel können daher bedenkenlos für Honiggläser verwendet werden.
Das Gleiche gilt auch für die von mir verwendeten Kunststoffdeckel. Im Rahmen meiner jährlichen Zertifizierung wurden meine Deckel vor drei Jahren einer gesonderten Prüfung unterzogen. Das Ergebnis: Die EU-Öko-Verordnung und die Bioland-Richtlinie untersagen nicht die Verwendung des Kunststoffdeckels. Die meisten Bio-Imker verwenden aber aus Marketing-Gründen den hochwertiger aussehenden Twist-Off-Deckel für das 500-g-Glas.
Außerdem dürfen Sie das Kunststoff-Verbot nicht fundamentalistisch betrachten. Neben den Deckeln sind z. B. auch viele Kleinteile, wie Zusetzkäfige, Absperr- und Varroagitter oder Bienenfluchten, aus Kunststoff in der Bio-Imkerei zulässig. Wie ich in meinem Beitrag geschrieben habe, werden die Unterschiede zur konventionellen Imkerei oft überbewertet.
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink