04/2011: Warum hilft alles nicht gegen den Schwarmtrieb?

Frage: Ich habe 10 Völker in Heroldbeuten mit DN-Rähmchen, imkere in einem Bienenhaus und überwintere zweiräumig. Im letzten Jahr hatte ich Mitte April die Völker durch Umhängen von Brutwaben ausgeglichen, um sie alle ziemlich gleich stark zu machen. Ende April habe ich den Honigraum hauptsächlich mit Mittelwänden aufgesetzt und zur Bildung eines Sammelbrutablegers Anfang Mai jedem Volk eine Brutwabe und Bienen entnommen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Völker schon stark, aber ohne Schwarmstimmung.
Mitte Mai waren dann doch alle in Schwarmstimmung, und zwar mit teils schon verdeckelten Zellen. Diese habe ich alle ausgebrochen und den starken Völkern einen weiteren Honigraum mit Honigwaben aus den Bruträumen (ca. 3 – 4) und Mittelwänden zwischengeschoben. Die entnommenen Waben aus den Bruträumen hatte ich ebenfalls durch Mittelwände ersetzt.
Zudem bestand das Problem, dass ich keine ausgebauten Waben mehr hatte, und in Schwarmstimmung bauen die Bienen bekanntlich schlecht oder gar nicht mehr die Mittelwände aus. Im Hinblick auf die Trachtstärke wollte ich die Völker aber um diese Zeit nicht zu stark schröpfen. Was sollte man in so einer Situation tun?
Matthias Kleinhenz
Am Krüglein 11
97705 Waldfenster

Antwort: Das frühe Brutwabenumhängen ist eine Möglichkeit, um alle Völker zu egalisieren und dann später gleichzeitig die gleichen Arbeitsschritte an allen Völkern durchführen zu können. Die Honigraumgabe wie auch die spätere Entnahme von Brutwaben dämpfen den Schwarmtrieb zwar, können ihn aber je nach Wetterlage, Volkszustand und Königinnenalter nicht in jedem Fall verhindern. Ab Mai ist daher immer eine wöchentliche Kontrolle (durch Ankippen der zwei Bruträume) angezeigt!
Bei vorhandenem Schwarmtrieb (ab Larvenstadien) hilft das Raumgeben oder Wabenumhängen nicht mehr. Auch starkes Schröpfen ist nicht zu empfehlen, da die Trachtstärke der Völker eingeschränkt wird, wie Sie selbst sagen.
Will man nicht wöchentlich Zellen ausbrechen, ist es am besten, einen Zwischenableger zu bilden, und zwar als Flugling unten (Arbeitsablauf siehe Abbildung oben). Dabei rate ich, den Zwischenableger 14 Tage zu belassen, dann aber nach 7 – 9 Tagen auf der Nachschaffungswabe die Zellen zu brechen und gegen eine neue Brutwabe mit jungen Larven auszutauschen. Setzt man früher wieder in die ursprüngliche Anordnung zurück, kann der Schwarmtrieb doch nochmals „aufflackern“, und man fängt wieder von vorne an. Wer ohne Absperrgitter imkert, setzt nach der Methode Karl Pfefferle nach kurzer Kontrolle auf Eier und Königin nur den obersten Honigraum aufs Bodenbrett, da sich im darunter liegenden Honigraum höchstwahrscheinlich schon die Königin befindet.
Möglicherweise war die ausschließliche Erweiterung mit Mittelwänden eine Ursache für den frühzeitigen Schwarmtrieb. Wird in kurzer Zeit viel Nektar gesammelt und sind nur Mittelwände aufgesetzt, lagern die Bienen die Ernte erst im Brutraum ein. Dies hat zur Folge, dass die Brutausdehnung stockt: Tendenz zum Schwarmtrieb.
Sofern man keine „Lockwaben“ (2 – 3 unbebrütete, ausgebaute Waben im Zentrum der Erweiterungszarge) hat, kann man sich folgendermaßen behelfen: Beim Aufsetzen des ersten Honigraumes lässt man für 5 – 7 Tage das Absperrgitter weg (beim späteren Einlegen des Absperrgitters auf Eier achten, dann ggf. Königin suchen und nach unten geben), und beim Aufsetzen des zweiten Honigraums werden einfach 2 – 4 nicht vollständig gefüllte Honigwaben aus dem ersten entnommen und in die Mitte des zweiten gehängt. In den ersten kommen stattdessen Mittelwände an den Rand. So wird eine Erweiterungszarge nur mit Mittelwänden leicht angenommen, es macht nur etwas mehr Arbeit.
Bruno Binder-Köllhofer
Fachberater für Bienenzucht
Bruno.Binder-Koellhofer@llh.hessen.de