04/2011: Was suchen die Bienen am Walnussbaumstumpf?

Frage:
Am 12. März 2011 habe ich beobachtet, wie Bienen auf einem im Winter abgesägten Walnussbaumstumpf saßen und austretenden Saft aufnahmen. Was könnte der Grund sein, dass ihnen dieser Saft schmeckt?
Beatrix Windheuser
Kapellenstraße 5, 56598 Hammerstein

Antwort:
Bei Laubbäumen wird im Frühjahr durch einen aktiven Vorgang in den Wurzeln Wasser in die Leitgefäße der Bäume gepresst. Dabei werden zuerst Ionen (gelöste Salze) aus den lebenden Zellen des Wurzelzentralzylinders in die Leitgefäße (Xylem) abgegeben. Dadurch entsteht ein osmotischer Druck, und zum Konzentrationsausgleich strömt Wasser nach. Dieses verursacht den Wurzeldruck, den man an abgeschnittenen Pflanzen als „Bluten“ beobachten kann.
Da dieser Blutungssaft in der Regel relativ wenig Zucker enthält – selbst beim Zucker­ahorn enthält der für Sirup gewonnene Saft nur ca. 5 % Zucker – ist anzunehmen, dass sich die Bienen vor allem wegen der Mineralstoffe/Salze auf dem Walnussbaumstumpf eingefunden haben.
So beantwortete z. B. der Imkermeister Werner Gekeler die Frage, ob Bienen Salz benötigen, in der Märzausgabe 2005, Seite 11, folgendermaßen: Es ist bekannt, dass mineralhaltiges Tränkewasser die Bienen anzieht. In den siebziger Jahren lief an der Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen ein Versuch, bei dem herausgefunden wurde, dass die Bienen leicht mineralisiertes Wasser (1 Esslöffel Salz auf 10 Liter Wasser) bevorzugen. Ähnliches können wir beobachten, wenn die Bienen unsere blitzblanke Tränke schmähen und dafür Jauchetümpel des Nachbarn oder Wasserpfützen auf Wegen aufsuchen. Sie benötigen die Mineralien für eine vollwertige Ernährung.
Dr. Jürgen Schwenkel
js-bienenredaktion@t-online.de