04/2013: Entwickelt sich die Varroa in kalten Beuten besser?

Frage: Seit 1960 imkere ich in gut isolierten, modifizierten Gerstung-Lagerbeuten. Mein Bienenhaus steht in nordwestlicher Richtung an einem Steilhang in der Eifel (350 NN). Seit 20 Jahren habe ich keine Völkerverluste zu verzeichnen und auch keine Kalkbrut.
Gegen die Varroa behandle ich im Juli und August mit dem Nassenheider-Verdunster und Ende August/Anfang September noch einmal mit dem Schwammtuch. Meist Mitte Dezember träufle ich mit Oxalsäure. Aber dies tun andere Imker sicher auch.
Könnte es sein, dass das Warmhalten der Völker der Varroa weniger Entwicklungschancen lässt? Nach dem Reinigungsflug im Frühjahr werden meine Völker nämlich der Stärke entsprechend eingeengt und warm verpackt.
Ich stelle mir vor, dass die Bienen in „kalten Beuten“ – einwandig und offener
Gitterboden – bei Wettereinbrüchen im Frühjahr die Brut-Außenbereiche weniger gut warmhalten können. Entwickeln sich die Bienenlarven dadurch möglicherweise langsamer, was den Milben eine höhere Vermehrungsrate ermöglicht?
Friedrich Wirth, 53937 Schleiden
Antwort: Viele Imker bekämpfen die Varroa-Milbe auf die gleiche Art und kommen trotzdem zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Standort mit Klima und Versorgung sowie die Betriebsweise und Beute spielen eine nicht unbedeutende Rolle. So kann auch eine „warme“ oder „kalte“ Beute einen Einfluss haben. Bienen wärmen jedoch nicht den Raum, sondern die Bienentraube. Im Winter spielt die Isolation daher keine wesentliche Rolle. Anders bei dem von Ihnen beschriebenen Kälteeinbruch im Frühjahr: Die Bienen ziehen bereits verstärkt Brut auf. Durch die Kälte werden sie zunächst zu erhöhter Wärmeproduktion und, sobald sie hier an Grenzen geraten, zu immer weiter gehender Reduktion des gewärmten Raums gezwungen. Bevor sie insbesondere ältere Brut ganz aufgeben, wird die Bruttemperatur leicht gesenkt. Damit verlängert sich die Entwicklungsdauer der Brut. Wodurch wiederum mehr Milbennachkommen sich vollständig entwickeln können. In einem gesunden Volk im Winter und Frühjahr ist die Zahl der zusätzlichen Milben aber zu gering, um den Verlauf des Befalls in der Saison wesentlich zu beeinflussen. Trotzdem ist die Absenkung der Bruttemperatur nicht ohne Bedeutung. In neueren Arbeiten konnte nachgewiesen werden, dass sich bei einer um 2 °C gesenkten Bruttemperatur die Bienen-Larven zwar normal entwickeln, aber als erwachsene Bienen deutlich kurzlebiger und anfälliger für Pestizide sind. Zudem kann die gestörte Entwicklung des Nervensystems zu Veränderungen bei der  Arbeitsteilung führen. Niedrigere Bruttemperaturen bedeuten für das Bienenvolk damit zusätzlich Stress.
Für die Praxis gilt: Bienenvölker im Winter kalt halten, damit die Bienen merken, wann Reinigungsflüge möglich sind. Dagegen kann eine bessere Isolation im Frühjahr ihnen dabei helfen, Kälteeinbrüche besser zu überstehen.
Dr. Wolfgang Ritter
Ritter@bienengesundheit.de