04/2013: Pestizide in Pollen?

Frage: Ich nehme täglich zwei Teelöffel ungarischen Pollen ein. Damit möchte ich mein Immunsystem stärken und habe bisher den Eindruck, dass das auch funktioniert. Nun habe ich gelsen, dass beim Bienen-Monitoring im Bienenbrot, also im eingelagerten Pollen, ein ganzer Cocktail an Pflanzenschutzmitteln gefunden wird. Deshalb frage ich mich, ob die tägliche Aufnahme von Bienenpollen vielleicht der Gesundheit letztlich mehr schadet als nutzt.
Gisela Locherer, Berlin

Antwort: Im Gegensatz zu den besser geschützten Nektarien sind die Pollen produzierenden Staubbeutel allen Außeneinflüssen stärker ausgesetzt.
Wenn man die Rückstandsdaten der Bienenbrotanalysen aus dem DeBiMo genauer anschaut, dann wird deutlich, dass ein Großteil der nachgewiesenen Wirkstoffe aus Blütenbehandlungen und hier im Besonderen aus Maßnahmen im Winterraps, herrührt. Viele dieser Wirkstoffe, meist Pilzbekämpfungsmittel, werden im Spurenbereich (Mikrogramm/kg) gefunden. Die Leistungsfähigkeit der Analyseverfahren hat sich in den letzten Jahren enorm gesteigert.
Der Raps hat in Deutschland als Trachtpflanze eine überragende Rolle. Er prägt den Polleneintrag auch aufgrund fehlender Alternativen auf Wiesen und Weiden. Aus Analysen von Pollenhöschen zur Zeit der Rapsblüte wird klar erkennbar, dass am Tag der Spritzmaßnahme die Rückstandsgehalte enorm sein können. Verantwortungsbewusste Imker, die mit Pollenfallen arbeiten, sollten daher an diesem und den beiden folgenden Tagen die Pollenfallenernten nicht nutzen. Danach sinken die Rückstandsgehalte schnell in den unmessbaren Bereich ab, und es kann wieder Pollen geerntet werden.
Würde die Gesamtpollenernte einer Saison gemischt, dann käme es nur noch zu extrem geringen Rückständen in der Gesamtcharge.
Soweit möglich, sollte Pollen also fern von Emissionsquellen und der Intensivlandwirtschaft gesammelt werden. Dies wird in wichtigen Erzeugerländern, wie z. B. Spanien, versucht, ist aber nicht für jede Charge auf dem Markt belegt.
Bei der Bewertung der Rückstände in Bezug auf die menschliche Gesundheit muss berücksichtigt werden, ob überhaupt Wirkstoffe und wenn ja, welche Mengen gefunden werden (Analysenbefund anfragen). Die Messwerte beziehen sich auf 1 kg Pollen. Die Pollenmenge, die pro Tag mit zwei Teelöffeln gegessen wird, ist sehr gering. Werden z. B. in einer Pollencharge 0,005 mg/kg = 0,000 005 g/kg eines Wirkstoffs gefunden, dann wird mit der täglich Ration von 5 g die unvorstellbar kleine Menge von 0,000 000 025 g mitgegessen. Hier dürfte dann der positive Effekt der Vitamine, Mineralstoffe und Proteine des Pollens doch deutlich überwiegen.
Dr. Klaus Wallner
bienewa@uni-hohenheim.de