04/2013: „Varroa online“ wirft Fragen auf

In der Oktober-Ausgabe von ADIZ/db/IF  gab es auf Seite 3 einen Hinweis auf den Online-Kurs „Varroamilbe und ihre Behandlung“.
Bruno Becker, der Entwickler des Nassenheider Verdunsters, hat uns hierzu einige Fragen geschickt, auf die Dr. Werner Mühlen, einer der Verantwortlichen der Internetseite www.die-honigmacher.de, antwortet.

Frage: Wo kann man die dort aufgeführte Illertisser Milbenplatte noch beziehen? Sie wurde doch bereits vor ca. acht Jahren vom Markt genommen.
Den Begriff „Dampfdruck“ habe ich im Zusammenhang mit der Wirkung von Ameisensäure bisher nicht gehört. Im Online-Kurs soll dieser unter 12 °C zu niedrig und über 25 °C zu hoch sein. Das finde ich eigenartig. Da man Ameisensäure auch bei 0 °C noch riecht, verdunstet auch etwas. Aber die Verdunstungsfläche müsste dann wohl so groß sein, dass sie in keine Beute passt. Bei konstanter Dosierung und ausreichend großer Verdunstungsfläche, wie sie der „Nassenheider horizontal“ aufweist, klappt es bei ca. 8 °C noch. Also wird wohl auch der Dampfdruck ausreichen. Umgekehrt kann bei konstanter Dosierung auch bei 35 °C nicht zu viel verdunsten (und der Dampfdruck nicht zu hoch ansteigen). Im Brutnest herrschen immer 35 °C. Dort tötet die Ameisensäure die meisten Milben in der verdeckelten Brut der Bienen. Kein anderes Medikament vermag das. Herrschen draußen mehr als 30 °C, verteilen die Bienen Wasser zur Erzeugung von Verdunstungskälte und fächeln mehr. Dadurch werden die Gase eher verdünnt. Der „Nassenheider horizontal“, ebenso wie der „Nassenheider Professional“, gleichen das durch eine zusätzliche Verdunstung über die Oberfläche des U-Dochtes aus. Trotzdem würde ich bei über 30 °C nur im Notfall behandeln – was bei mir bisher nicht nötig war.
Bruno Becker
www.bienen-becker.de
  Antwort: In Deutschland sind zwei Verfahren zur Ausbringung der 60%igen Ameisensäure zugelassen, zum einen die Illertisser Milbenplatte und andererseits die Standardzulassung der 60%igen Ameisensäure über Applikatoren, auch Verdunstungshilfen (Langzeitverdunster) genannt. Wir hatten überlegt, ob im „Honigmacher“ die Illertisser Milbenplatte als zugelassene Applikationsform der Kurzzeitverdunstung noch genannt werden soll, obwohl sie auf dem Markt nicht mehr zu beziehen ist. Wir haben uns dazu entschlossen, sie zu nennen, einfach weil sie zugelassen ist. Diesen Sachverhalt deutlicher zu machen, nehmen wir als Anregung dankend auf und werden dies bei der nächsten Aktualisierung der Lernseite berücksichtigen.
Die Hinweise zum Verdunstungsverhalten der Ameisensäure im Volk in Abhängigkeit von der Temperatur im Stock oder außerhalb der Beute sowie in Abhängigkeit zur Verdunstungsfläche können Experten gerne ausführlich diskutieren. Uns war es wichtig, im „Honigmacher“ Handlungshinweise für den lernenden Imker zu bringen, die verständlich sind und einen guten Behandlungserfolg sicherstellen. Es ergibt für uns wenig Sinn, die Expertendiskussion in den „Honigmacher“ zu tragen und den Imker bei der Varroakontrolle zu verunsichern. Die Behandlungsempfehlungen sind daher an der Praxistauglichkeit orientiert und sichern einen guten Behandlungserfolg ohne große Brut- und Königinnenverluste.
Dr. Werner Mühlen
Landwirtschaftskammer
Nordrhein-Westfalen, Bienenkunde
werner.muehlen@lwk.nrw.de