06/2010: Kann man die Erweiterungszarge auch untersetzen?

Frage:
Kann es sinnvoll sein, bei einem einzargig überwinterten Volk im Frühjahr die Erweiterungszarge unter den ersten Brutraum zu setzen? Möglicher wärmetechnischer Vorteil: Die warme Luft strömt nicht wie beim Aufsetzen nach oben in die Leerzarge, sondern das Volk und sein Brutnest befinden sich dort. Wenn die Volksstärke zunimmt, kann sich das Brutnest nach unten ausdehnen. Der Honigraum muss natürlich weiterhin oben aufgesetzt werden.
Albrecht Bock, schlosserei-bock@web.de

Antwort:
Der Gedanke liegt nahe, denn auch bei der zweizargigen Überwinterung sitzt die Masse der Bienen bei Brutbeginn meist in der oberen Zarge und dehnt sich während der Brutnestvergrößerung nach unten aus. Demnach würde das Untersetzen der zweiten Brutraumzarge der natürlichen Entwicklung eher entsprechen. Allerdings herrscht dabei zunächst ein Raumüberangebot. Bei einer planmäßigen Erweiterung wird die zweite Zarge deshalb erst dann gegeben, wenn die Volksstärke dies erfordert. Die Klimatisierung des Brutnestbereiches stellt dann kein Problem mehr dar bzw. es konnten keine negativen Auswirkungen in Folge der Raumgabe festgestellt werden.
Für eine Erweiterung des Brutnestes durch das Aufsetzen sprechen jedoch auch arbeitswirtschaftliche Gesichtspunkte, da hierbei die erste Brutzarge nicht abgehoben werden muss. Lagern dann die Bienen entgegen der imkerlichen Absicht im oberen Brutraum Honig ein, erfolgt dies im Regelfall in den unbebrüteten Honigwaben des Vorjahres oder in neu ausgebauten Waben. Diese Waben später in den Honigraum umzuhängen, um das Verhonigen des Brutnestes zu vermeiden, wäre somit bedenkenlos möglich. Eine Gefahr von Rückständen, zum Beispiel aus einer Thymolbehandlung, besteht bei diesen unbehandelten Waben nicht!
Zudem lässt sich beobachten, dass die Mittelwände in der oberen Zarge schneller angenommen werden – dies reduziert schließlich auch die Schwarmneigung. Und noch etwas sollte erwähnt werden: Durch Wegnahme der „alten“, unten stehenden Brut­zarge im Spätsommer oder Herbst lassen sich die nun mehrmals bebrüteten Waben ohne große Probleme aus dem Volk herausnehmen, da die Bienen zu diesem Zeitpunkt eher in der zweiten Brutzarge mit den neueren Waben sitzen.
Gerhard Müller-Engler
Fachberater für Bienenzucht
Universitätsstraße 38, 91054 Erlangen
Gerhard.Mueller@lwg.bayern.de