06/2010: Zur Tracht entweiseln und Königinnen nachziehen lassen?

Frage:
Bei einem Imkertreff erzählte mir ein „alter Hase“, dass er zur Trachtzeit seine Königin(nen) abdrückt, damit die Bienen sich verstärkt aufs Honigsammeln konzentrieren. Die Honigräume würden dann besonders schnell gefüllt und die Völker würden sich nebenbei eine neue Königin nachziehen. So hätte man immer junge Königinnen. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass weisellose Völker weniger Honig bringen. Was ist denn empfehlenswert?
Winfried Baumhämmel
97638 Mellrichstadt

Antwort:
Vom Entweiseln des ganzen Bienenstandes kann ich nur abraten. Man muss nach 9 Tagen alle Nachschaffungszellen, bis auf eine, ausbrechen, und die sind viel schwieriger zu finden als Schwarmzellen. Und wehe, Sie übersehen eine! Die Schwärme, die dann abgehen, sind doppelt so groß wie ein normaler Schwarm. Das wäre mit einiger Mühe sicher in den Griff zu bekommen, aber der größte Nachteil dieser Methode ist, dass Sie anschließend lauter Nachschaffungsköniginnen haben. Die sind bekanntlich nicht immer die Besten und neigen daher auch häufig zum Umweiseln und enden nicht selten in Drohnenbrütigkeit. Sie sollten bei dieser zunächst vorteilhaft erscheinenden Methode auch einplanen, dass Sie danach die Völker wieder „reparieren“, also mit guten Königinnen versehen sollten – um diese dann im kommenden Jahr wieder abzudrücken!?
Besser ist es, in den meisten Völkern vorjährige Königinnen zu halten, die weniger zum Schwärmen neigen als ältere. Diese erhält man durch frühzeitige Jungvolkbildung, die ebenfalls den Schwarmtrieb dämpft. Kombiniert mit rechtzeitiger und großzügiger Erweiterung und regelmäßiger Schwarmkontrolle (Kippkontrolle), sollte sich der Schwarmtrieb doch so weit bändigen lassen, dass gleichzeitig nur ein möglichst kleiner Teil der Völker echte Schwarmverhinderungsmaßnahmen benötigt.
Armin Spürgin
Fachberater für Imkerei
armin.spuergin@rpf.bwl.de